Wolfgang Schüssel möchte keine "jesuanisch-messianisch-chiliastischen Heilserwartungen wecken", sagte er in einer Diskussion ...
... als Begründung für sein zurückhaltendes Agieren in der Flutkatastrophe. Keine
symbolische Politik, keine öffentliche Betroffenheit,
keine Führung auf der emotionalen Ebene, wie es Joschka Fischer und Gerhard Schröder zustande gebracht hatten (mit entsprechend gutem Ergebnis in den Umfragen). Schüssel verweigerte die
Rolle als Psychotherapeut (oder eher geistlicher Beistand) der Nation. "Ich kann das nicht", fügte er ungewohnt heftig hinzu. "Ich lehne das für mich ab."
Er halte "nüchternen Professionalismus" für das Beste. Nun ist es beruhigend, dass der Kanzler sich nicht als Messias und Erfüller von Heilserwartungen ("Chiliasmus") sieht. Politiker dieser Sorte bedeuten nie etwas Gutes. Und nüchterner Professionalismus ist überhaupt gut, wenn einer Regierung
nicht die Gesetze reihenweise vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden sollen. Aber eine Dimension wird dabei vernachlässigt. Man kann professionell handeln und den
Menschen doch das Gefühl geben, dass man sie und
ihre möglicherweise unprofessionelle Angst und Verzweiflung ernst nimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2005)