Professionell

von Redaktion  |  11. Februar 2005, 15:54

Wolfgang Schüssel möchte keine "jesuanisch-messianisch-chiliastischen Heilserwartungen wecken", sagte er in einer Diskussion ...

... als Begründung für sein zurückhaltendes Agieren in der Flutkatastrophe. Keine symbolische Politik, keine öffentliche Betroffenheit, keine Führung auf der emotionalen Ebene, wie es Joschka Fischer und Gerhard Schröder zustande gebracht hatten (mit entsprechend gutem Ergebnis in den Umfragen). Schüssel verweigerte die Rolle als Psychotherapeut (oder eher geistlicher Beistand) der Nation. "Ich kann das nicht", fügte er ungewohnt heftig hinzu. "Ich lehne das für mich ab."

Er halte "nüchternen Professionalismus" für das Beste. Nun ist es beruhigend, dass der Kanzler sich nicht als Messias und Erfüller von Heilserwartungen ("Chiliasmus") sieht. Politiker dieser Sorte bedeuten nie etwas Gutes. Und nüchterner Professionalismus ist überhaupt gut, wenn einer Regierung nicht die Gesetze reihenweise vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden sollen. Aber eine Dimension wird dabei vernachlässigt. Man kann professionell handeln und den Menschen doch das Gefühl geben, dass man sie und ihre möglicherweise unprofessionelle Angst und Verzweiflung ernst nimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2005)

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rot, roter, rosaroter
11.01.2005 17:07
Sidestepp im Standard: Miguel Hertz-Kestranek zeigts den Heuchlern

Zitat Hertz-Kestranek: "Brauner Rassismus, einfach gestrickt und offen gegrölt, ist widerwärtig, aber eine bekannte Größe. Roter Rassismus, unterschwellig, weil in Gutmensch-Verpackung, ist widerwärtiger, weil bis jetzt unbekannt."
Verkürzt: Roter Rassismus in Gutmensch-Verpackung ist widerwärtiger als offen gegrölter brauner Rassismus. Widerwärtiger, weil bis jetzt unbekannt.
Sehr verkürzt: Roter Rassismus ist widerwärtiger als brauner Rassismus.
Warum diese Rassismus-Debatte: Gusenbauer wollte nach der Tsunami-Katastrophe den Opernball abgesagt wissen. Nicht aber bei den Ruanda- und Darfour-Opfern. Heuchelt also nach Meinung des empathischen Schauspielers, der seine Entrüstung im Standard in Worte faßt. Die Krone häts auch getan.

le bon docteur faustroll (unique user - proZustand) 
11.01.2005 14:52
besten dank, herr rauscher!

ich zb hätte sonst nicht erfahren, dass der als zynisch verschrieene kanzler in kategorien des chiliasmus denkt. das denken an tausendjährige reiche, woher mag das nur kommen... grübel, grübel...

sydonne
11.01.2005 14:23
chiliastisch

ehrlich, kannten Sie das Wort vorgestern?
tschiliastisch-tschüssel

rot, roter, rosaroter
11.01.2005 13:30

ich denk Plassnik kann das auch nicht

umberto pardelone
11.01.2005 11:34

naja, des woar schon ein bisserl schwierig diesesmal. bei den überschwemmungen in österreich, hat der orf ja alles wunderbar getimt, jemand hat die stiefel und das regenmanterl hergricht, ein anderer hat a wirklich schöne wasserlatschn ausgsucht und wieder ein anderer hat auschau ghaltn was den der doofe gusi so macht.

diesmal hät ma scho weit fliegen müssen um ein paar gute bilder zusammenzubringen.

Werner Hammerl
11.01.2005 11:30

Warum verwendet Rau eigentlich seine Kolumne nicht dazu, den Leuten Trost zu sprechen anstatt ununterbrochen die Regierung anzupinkeln?

Florian Holzer
11.01.2005 15:18

wieder einmal schulterschluss, oder was?

Helmut Huber
11.01.2005 12:51
Für Trost & Rat ist bekanntlich schon

der Herr Professor DDDr. Kurt "Farvuritnan'Blues" Ostbahn zuständig.

Cortez the Killer
11.01.2005 12:34

warum gehen sie nicht auf nachbarinnot.at etwas spenden, statt hier über die kommentare von RAU herzuziehen? oder kann es sein dass diese auf- und gegenrechnungen keinen sinn ergeben?

bart simpson
11.01.2005 10:30
tja soll er bankdirektor werden ...

... aba nicht verantwortlich fuer fast 8 mio menschen wenn er keine gefuehle fuer solche zeigen kann ... untermauert nur meine theorie dass da schuessl in den schulpausen imma in kastn eingsperrt wordn is ...

ratschi-bum-trara
11.01.2005 10:24
angst und verzweiflung..

...empfinden die angehörigen und die warten glaub ich nicht auf das erlösende wort des kanzlers.
man glaubt es kaum aber die haben im moment andere sorgen als irgendwelche innenpolitischen haxlereien.
und wenn rau das bedürfnis nach tröstenden schüsselworten und traurigen mienen verspürt,dann ist entweder ein heuchler oder er braucht wirklich professionelle hilfe.

St. Anger
11.01.2005 08:55
Das staunende Publikum

kann sehen wie der Kanzler sich selbst eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt und das mit Bibelzitaten untermauert. Nüchterner Professionalismus sieht bei ihm und seiner Laienspieltruppe so aus: keine Öffentlichkeitsarbeit, keine regelmäßigen Informationen via Medien, keine Bestandsaufnahme, keine Vorhaben, keine Begründungen für Handlungen und Unterlassungen, kein Maßnahmenkatalog, keine Ideen, kein Vermitteln des jeweiligen Stands der Dinge. Keine Sprecher die die Bevölkerung regelmäßig über Ergebnisse von Krisenstabssitzungen unterrichten. Kein Was, Wann, Wo, Wie, Warum und Wieviel. Außer Bibelzitaten keinen begleitenden Wortschatz. Das ist Armut und Elend im Geiste und im Handeln.

brummbaer
11.01.2005 10:29
aber bitte

sind die 4 farben inserate in sämtlichen tageszeitungen (zur steuerreform z.b.) keine information der oeffentlichkeit?

Matthias Standfest 
11.01.2005 08:49
nur weil jemand

viel von professionalität hält, ist er noch lange nicht professionell.

jon wostre
11.01.2005 07:25
Nie gedacht

Hätt' ich mir nie gedacht, dass ich dem Schüssel einmal voll zustimmen kann. Man kann auch betroffen sein, ohne das werbewirksam zur Schau zu stellen.

Robert Bardot
11.01.2005 18:05
Genauso

hätte ich auch geschrieben, Sie Schlimmer Sie, sind mir zuvorgekommen!
S'ist ja auch wahr: Geheuchelte Anteilnahme merkt man sowieso, tätige Anteilnahme auch, und ein Aushängeschild der Gefühle sein? Bringt niemandem nichts...

no morecensorship
10.01.2005 23:25
Verfassung

Und wieder so ein Untergriff von wegen Aufhebung der Gesetze durch den Verfassungsgerichtshof (was hat das eigentlich mit der Rolle der Regierung in der Tsunami-Krise zu tun?).
Dann muss die Antwort zwangslaeufig lauten: Auch unter den SPOE-Kanzlern wurden Gesetze als nicht verfassungskonform zurueckgewiesen. Nur hat dann halt Rot-Schwarz mit Verfassungsmehrheit im Parlament eben die Verfassung auf "konform" geaendert...

Harald Huber
11.01.2005 11:31

Mit dem Tsunami hat es nichts zu tun, aber mit dem von Schüssel propagierten Anspruch auf allerhöchste Professionalität schon. Also wenn jemand Professionalität im Kerngeschäft einer Regierung - nämlich in der Gesetzgebung - über die Jahre vermissen lässt (serienweise Aufhebung von Prestigegesetzen der Regierung oder Nichtbeachtung von Verfassungsgerichtsurteilen), dann ist Zweifel an solch immer wieder behaupteter Professionalität in anderen Bereichen durchaus legitim.

street lawyer 
11.01.2005 17:42
regierungsgesetzgebung

hat es bei dollfuß gegeben.

Schnurz Homunculus
11.01.2005 15:05
Lesen Sie die Verfassung - Herr Huber! (in Abwandlung von Kreisky)

Die Gesetze machen in der Regel die Ministerialbeamten und das Parlament beschließt sie. Auch die Regierungsvorlagen für Gesetze (höchst selten) werden dann vom Parlament beschlossen. Die Regierung hat sicher andere Kernaufgaben!

Außerdem verwechseln Sie Professionalität mit Unfehlbarkeit

pepiongl
12.01.2005 10:27
Die Mehrheit im Parlament

haben aber schon meistens ( auch in anderen Ländern ) die Regierungsparteien.
Und nicht zuletzt durch den Klubzwang - sagens mir jetzt bitte, den gibts nicht - gehen die Abstimmungen im Parlament doch häufig zugunsten der Regierungsvorschläge aus.
Wobei ich auf dem Standpunkt stehe, dass Abgeordnete Vertreter der Wähler sein sollten und nicht eines Klubs, was schon den Begriff "Klubzwang" demokratiefeindlich erscheinen lässt.

gerhard maierhofer 
11.01.2005 17:45

professionell ist eine von revanchismus geprägte personalpolitik? falsche zahlen nach brüssel zu melden? oder verwechselt jemand professionalität mit skrupellosigkeit bei der machtausübung?

andip
11.01.2005 15:04
Re: Verfassung

Soweit ich mich nicht irre, ist die Gesetzgebung Kerngeschäft des Nationalrates (und des Bundesrates) - und nicht der Regierung.
Ob der das allerdings wahrnimmt, könnten wir diskutieren!

P.S.: Ich brauche auch keinen Betroffenheit "spielenden" Bundeskanzler. Man kann auch betroffen sein, ohne es nach außen zu kehren!

Leo Mittersiel
10.01.2005 23:22
respekt für schüssel

schüssels haltung ist die einzig ehrliche. grassers entscheidung weiter zu urlauben, ist rational die einzig richtige. was hätte er denn in österreich tun sollen? (blöd war halt dann die begründung)

wir brauchen keinen gummistiefel-klima, keinen feuerwehrumarmenden bush und schon gar keinen heuchlerisch stimmlosen joschka fischer.

Der Cygeuner
11.01.2005 10:21
richtig

Grassers Urlaubsfortsetzung ist ihm nicht übelzunehmen.

ABER: es ist ihm überzunehmen, dass er in der Begründung dieser Entscheidung mehrfach gelogen hat (Minister, Plätze im Flugzeug...)

und Lügen brauchen wir wenigstens ebensowenig wie Heuchelei...

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