Alles purer Zufall

22. Februar 2005, 16:02
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Luise Ungerboeck über die VA Tech-Übernahme und den erhöhten Erklärungsbedarf bei Siemens und der ÖIAG

Man darf gespannt sein, wie der deutsche Elektromulti Siemens seinen Aktionären bei der Hauptversammlung Ende Jänner erklären wird, warum er die VA Tech um 840 Millionen Euro kaufen will statt um 400, wie es vor einem Jahr möglich gewesen wäre, oder um knapp 700 wie noch im Juni.

Das Siemens-Management wird Kreativität zeigen müssen, denn ein kleiner, aber unangenehmer Mitspieler war die VA Tech nicht erst seit gestern. Spätestens seit sie mitten in München eine General-Electric-Gasturbine installierte und die Allianz Arena verkabelte, war klar: hier geht’s ans Eingemachte.

Erhöhten Erklärungsbedarf hat freilich auch die Verstaatlichtenholding ÖIAG, die nun den Verkauf ihres 14,7-prozentigen Aktienpakets um mindestens 55 Euro je Aktie fixierte. Noch im August 2004 war Siemens für die staatlichen Ausverkäufer nämlich "kein Thema" gewesen, im September gar des Teufels, im November dann plötzlich herzlich willkommen.

Jetzt im Jänner begnügen sich die Staatsmanager ohne Not mit den von Siemens gebotenen 55 Euro je Aktie, obwohl VA- Tech-Papiere an der Börse aktuell 59 Euro kosten. Wer sich da noch auskennt, ist zu beglückwünschen, denn Logik gehört offensichtlich nicht zu den Tugenden der Privatisierungsagentur.

Über die Motive für die aus kaufmännischer Sicht unverständliche Genügsamkeit der ÖIAG darf trefflich spekuliert werden. Industriepolitische können es jedenfalls nicht sein, denn die Siemens- Pläne für die VA Tech sind eher dürftig. Ertragsmaximierung fällt auch aus, denn dazu ist der Verkaufspreis zu niedrig.

Bleibt die Politik, die bei der entpolitisierten ÖIAG nichts mitredet. Dass die ÖIAG zeitgleich mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser eine beachtliche Kehrtwendung Richtung Siemens gemacht hat, ist sicher purer Zufall. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.01.2005)

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