Gehälter steigen leicht

24. Mai 2005, 11:47
4 Postings

Experten sagen für heuer einen durch- schnittlichen Anstieg der Vorstandsgehälter um reale zwei bis zweieinhalb Prozent voraus

Das Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) prognostiziert es - wie andere Experten - vorsichtig: Die Gesamtgehälter heimischer Vorstandsetagen sollen - wenn auch nur leicht, aber immerhin doch - steigen.

Conrad Pramböck, Leiter des Bereiches Compensation Consulting bei Neumann International: "Den Zahlen von 2004 und den Prognosen für 2005 zufolge scheint es eine reale Steigerung von zwei bis zweieinhalb Prozent zu geben." Prickelnd, so Pramböck, sei das nicht. Man müsse die Konjunktur der kommenden Monate beobachten. Eine Erfahrung, die auch heimische Unternehmen machen mussten, so Pramböck weiter, würden doch Budgets - wie noch vor einigen Jahren üblich - nicht mehr einfach so fortgeschrieben. "Heute schauen die Unternehmen einfach viel genauer, ob Gehaltserhöhungen angebracht und vor allem der wirtschaftlichen Lage angemessen sind." Ebenfalls vorsichtig: Friederike Hladky. Sie möchte - unter Berücksichtigung des prognostizierten Wirtschaftswachstums von rund zwei Prozent - auch von nicht mehr als einem "leichten" Aufwärtstrend sprechen. Positiv zu vermerken sei aber, so Pramböck, dass die Unterschiede in den Steigerungsraten zwischen Vorstands- und Angestelltengehältern in den letzten zwei Jahren merkbar geringer geworden sind. "Vor fünf Jahren noch konnten wir eine sechs-bis achtprozentige Steigerung bei den Vorstandsgehältern verzeichnen - allerdings nur drei bis vier Prozent Plus bei ihren Mitarbeitern. Die Unternehmen sind hier vorsichtiger geworden", so der Experte

Stock-Options im Out

 Die "interessanten" Gehaltshebel - von Aktienanteilen bis Dienstautos - bleiben die gleichen. Wobei Stock-Options, so Pramböck, mehr und mehr ins Out geraten: "Zwei Drittel der im letzten Jahr von uns befragten 167 Unternehmen bieten Stock-Options an. Aber jene, die diese für sich in Anspruch nehmen, werden immer weniger." Wer allerdings hier eine Verlagerung der Präferenzen etwa in Richtung betrieblicher Altersvorsorge ortet, der irrt. Als interessant erweise sich die Tatsache, dass nur sehr wenige Mitarbeiter diese Möglichkeit für sich in Anspruch nehmen - und hier, zum Erstaunen aller Personaler, besonders die jungen Generationen nicht. Pramböck: "Wir wissen nicht, warum das so ist. Vor allem da sich diese Möglichkeit steuerlich - sowohl von Arbeitgeber-als auch von Arbeitnehmerseite aus - als höchst attraktiv darstellt." Die Vermutung, dass Mitarbeiter angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute das dabei ein wenig auf der Strecke gebliebene Vertrauen ins eigene Unternehmen aller Voraussicht nach auch nur langsam wiedergewinnen werden, liegt nahe.

Im guten Mittelfeld

Das Fazit der Experten lautet: Österreich befindet sich im internationalen Gehältervergleich, laut Conrad Pramböck, im "guten Mittelfeld". Darüber lägen Großbritannien - hier im Besonderen London -, die Schweiz und Deutschland, besonders im Ruhrgebiet, aber auch in Städten wie Hamburg. Darunter lägen die Länder Süd-, Ost- und Südosteuropas. Wobei manche Manager in Moskau oder in aufblühenden Wirtschaftsmetropolen wie Warschau deutlich mehr verdienen als Manager in Österreich. (Der Standard, Printausgabe 8./9.1.2005)

Von Heidi Aichinger
Share if you care.