Keks-Programme

16. Februar 2005, 13:34
2 Postings

Mit dem Vorüberfließen der letzten Feiertage ist endlich eine angemessene Würdigung des einschlägigen TV-Angebots angebracht

Mit dem Vorüberfließen der unwiderruflich letzten Feier-, Muße- und Schiebefenstertage ist endlich eine angemessene Würdigung des einschlägigen TV-Angebots angebracht. Denn die allerletzten Christbäume sehen nun endgültig aus, als hätten sie die vergangenen zwei Wochen in der kohlenstaubhaltigen Luft der Hohen Tatra zugebracht. Nadeln, wohin das Auge blickt. Die Hose platzt. Wie schrieb nicht Rilke in seinem berühmtem Wintergedicht? "Wer jetzt beleibt ist, wird es lange bleiben."

Der Weihnachtsfettbauch verleiht dem Fernsehkonsumenten ein unüberwindliches Phlegma. Die Tage verrinnen. Wesley Snipes nietet gedungene Chinesen um. Nächstes Keks: Rambo, der versonnen dreinblickt, als hätte er soeben in die Hosen uriniert, dezimiert mit fordistischem Arbeitseifer vietnamesisches Wachpersonal. Ein Linzer Auge geht noch: Skispringer probieren etwas, was man einen "Telemark" nennt.

Es soll sich dabei um eine Aufsprungtechnik im "Auslauf" handeln. Wer gewährt hier wem einen "Auslauf"? Wie ging es Viscontis Leoparden? Er maunzte. Weil er von Jahr zu Jahr blasser wird. Bitte noch ein Keks. (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 10.01.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.