Preishoch beflügelt Suche nach Rohöl

17. Februar 2005, 10:47
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In den letzten Jahren haben sich die internationalen Ölkonzerne stark zurückgenommen bei den Investitionen - Mit dem Höhenflug des Rohölpreises ändert sich das zusehends - mit Infografik

Wien - Ob ExxonMobil, BP, Shell oder Chevron Texaco: Die Großen der Ölbranche stecken nach Jahren der Zurückhaltung wieder Riesensummen in die Förderung des schwarzen Goldes. Allein die britische BP will pro Jahr acht bis neun Mrd. Dollar für die Ölgewinnung flüssig machen.

"Die Trendwende hat eingesetzt, es wird deutlich mehr investiert", sagte der Chef der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO), Franz Grohmann, im STANDARD-Gespräch. "Unser Auftragseingang ist gegenüber 2003 um ein Drittel gestiegen."

SBO produziert Hochpräzisionsteile für die internationale Öl- und Gasindustrie. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 800 Mitarbeiter - 200 davon am Stammsitz im niederösterreichischen Ternitz; Der Rest der Belegschaft ist überall dort im Einsatz, wo nach Öl und Gas gebohrt wird. Allein in den USA, wo SBO zwei Produktionsstätten hat, sind es rund 400 Personen.

Die Trendumkehr sei 2004 passiert, sagte Grohmann. Zwar sei der Ölpreis schon in den Jahren davor gestiegen, aber mehr getrieben durch den Ausbruch von Krisen wie im Irak oder in Venezuela, weniger durch fundamentale Ereignisse. Im Vorjahr habe dann das starke Lebenszeichen der Volkswirtschaften in USA, China und weiten Teilen Asiens eine unerwartet hohe Ölnachfrage ausgelöst, mit der Folge, dass die Preise in die Höhe geschnellt sind. Bei den augenblicklichen Preisen rechneten sich auch ansonsten unrentable Investitionen in neue Ölfelder.


Trend hält an

In den ersten drei Quartalen 2004 hat SBO bereits das Jahresergebnis 2003 übertroffen; Analysten erwarten den Unternehmensumsatz 2004 bei 150 Mio. Euro - nach 134 Mio. im Jahr davor. Die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr stellt das SBO-Management noch für Jänner in Aussicht. Heuer sei weiter Optimismus angesagt. Grohmann: "Wir gehen davon aus, dass der Trend anhält, dass weiter investiert wird." Auf den BP-Konzern jedenfalls treffe das ganz sicher zu, sagte der Österreich-Chef des in London ansässigen Multis, Hans Strassl: "Wir investieren heftig." In den späten Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als die Preise infolge eines Überangebots an Öl im Keller waren, habe man mit Investitionen sehr selektiv und vorsichtig umgehen müssen. Die Gefahr, Geld in den Sand zu setzen, sei zu groß gewesen. Mit den gestiegenen Ölpreisen habe sich das geändert. Nun könnten auch riskantere Projekte in Angriff genommen werden.


Preisspitzen gekappt

Die Preisspitzen bei Rohöl, wie man sie im vergangenen Jahr mit Ausschlägen von über 50 Dollar je Fass (159 Liter) gesehen hat, sollten so schnell nicht wiederkehren. Zusätzliche Fördervolumina, so die Erwartung von Strassl, sollten den Ölpreis in näherer Zukunft bei 30 bis 35 Dollar je Fass stabilisieren.

David Welch vom Wien-Büro des international tätigen Ölhändlers PVM hingegen glaubt, "dass die Ölpreise relativ hoch bleiben" - bezogen auf die für Europa marktführende Nordseesorte Brent bei 38 Dollar je Fass im Jahresdurchschnitt 2005. Der günstigste Zeitpunkt, sich beispielsweise mit Heizöl einzudecken, sollte im zweiten Quartal 2005 sein mit voraussichtlichen Brent-Preisen von 33 bis 34 Dollar. Im weiteren Jahresverlauf könnte sich Rohöl - von unvorhergesehenen Ereignisse einmal abgesehen - wieder leicht verteuern.

2004 sind die Mineralölkonzerne in Österreich nach Auskunft von BP-Chef Strassl auf knapp einem Drittel der sonst üblichen Jahresverkaufsmenge sitzen geblieben. Ursache waren Vorziehkäufe im Jahr 2003 aufgrund einer 2004 wirksam gewordenen steuerlichen Mehrbelastung. (stro, Der Standard, Printausgabe, 10.01.2004)

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    Die Trendwende hat eingesetzt, es wird deutlich mehr in die Ölgewinnung investiert

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