Deutsche Forscher sollen Tsunami-Frühwarnsystem entwickeln

16. Februar 2005, 11:34
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Benachrichtigung per Mail oder SMS

Potsdam - Etwa 160 000 Menschen kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bei der Flutkatastrophe in Asien ums Leben. Experten sind sich sicher: Mit einem Frühwarnsystem hätten zehntausende Opfer der bis zu 30 Meter hohen Tsunami-Wellen, die nach Seebeben entstehen, gerettet werden können. Das Know-how für dieses Warnsystem gibt es bereits: Das Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) soll jetzt im Auftrag des deutschen Bundesforschungsministeriums ein Konzept für den Indischen Ozean entwickeln. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder will sich am Donnerstag über das Projekt informieren.

Die Idee ist einfach: Messstationen im Meer registrieren Seebeben oder den erhöhten Wasserdruck, der durch die Riesenwellen entsteht. Die Daten werden über Satelliten an Alarmzentralen übertragen. Von dort können die Warnungen per Internet, E-Mail und SMS an alle angeschlossenen Nutzer gesandt werden. Das können neben Behörden auch Hotels und Privatpersonen sein. Dies alles soll nahezu in Echtzeit geschehen, denn entscheidend ist der Zeitfaktor. Tsunamis breiten sich mit bis zu 1.000 Kilometern pro Stunde aus. Je früher Alarm gegeben wird, desto mehr Zeit bleibt den Menschen zur Flucht.

Das Geoforschungszentrum schätzt, dass das System in ein bis drei Jahren einsatzbereit sein könnte. Die Forscher können dabei auf die Erfahrungen mit ihrem seismographischen Netz von rund 50 Erdbeben- Messstationen zurückgreifen, dass das GFZ mit anderen Institutionen zusammen betreibt. Im Indischen Ozean gebe es aber noch große Lücken, hieß es. Die Gefahr weiterer Tsunamis sei dort besonders hoch. Darum sollen hier etwa 30 bis 40 weitere Messstationen entstehen.

Forscher des GFZ mahnen, dass unter dem Eindruck der Katastrophe in Asien andere erdbebengefährdete Regionen nicht vergessen werden dürfen. So sei auch im Mittelmeer noch kein Frühwarnsystem vorhanden.

Nach einem Seebeben in der Meerenge von Messina (Italien) 1908 hatte ein Tsunami auf Sizilien und an der kalabrischen Küste mehr als 1.000 Tote gefordert. 1956 verwüstete ein bis zu 20 Meter hoher Tsunami die griechische Kykladeninsel Amorgos und tötete 53 Menschen.

Auf den indischen Inseln Andamanen und Nikobaren hatte offenbar das aufgeregte Gezwitscher der Vögel und das ungewöhnliche Verhalten von Eidechsen, Delfinen und anderen Tieren die Eingeborenenstämme vor der Flutwelle gewarnt. Die Potsdamer Forscher setzen dagegen auf High-Tech. Der GFZ-Wissenschaftler Jochen Zschau warnte aber bereits vor übertriebenen Erwartungen: Im Pazifik habe die Perfektionierung eines Frühwarnsystems mehr als 50 Jahre gedauert. (APA/dpa)

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