Keine Joboffensive

22. Februar 2005, 16:02
43 Postings

In der jetzigen Situation erwarten viele die "größte Joboffensive aller Zeiten" - leider vergebens - Kommentar von Helmut Spudich

Das neue Jahr beginnt mit den unverändert schlechten Nachrichten des alten: Die Zahl der Arbeitslosen steigt. Sie war 2004, um genau zu sein, auf dem höchsten Stand seit 1945 - mehr Menschen waren in diesem Land seither noch nie arbeitslos. Der Fairness halber sei hinzugefügt: Es haben auch mehr Menschen Arbeit, aber das wird den 340.000 ohne Job nur ein geringer Trost sein.

Alarmglocken

Falls es noch weitere Alarmglocken braucht, dann finden sie sich in den Details der Dezemberstatistik. Zum Beispiel im anhaltenden, überproportionalen Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit: Das sind die gut gebildeten Arbeitskräfte der "Informationsgesellschaft", mit denen wir die Konkurrenz mit Niedrigpreisländern im näheren und ferneren Osten bestehen wollten. Nur scheint es, als ob sie keiner braucht - oder wie wäre sonst die wachsende Arbeitslosigkeit in dieser (teureren) Gruppe zu erklären, während sie bei (billigeren) Arbeitskräften mit etwas weniger Bildung (mittlere und höhere Schulen) zurückgeht?

Oder der anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Frauen: das Ergebnis mehrjähriger erfolgreicher Tätigkeit des früheren Frauenministers Herbert Haupt? Oder der weitere Anstieg bei den Arbeitslosen zwischen 40 und 49 und dann wieder ab 59: die Vorbereitung auf die dank Pensionsreform erwünschte längere Lebensarbeitszeit?

Vergebliches Warten

In dieser Situation würden wir die größte Joboffensive aller Zeiten erwarten - so wie es jetzt die "größte Steuerreform aller Zeiten" gibt -, aber vergebens. Viel lieber verweist die Regierung auf den tatsächlich guten - dritten - Platz im EU-Ranking. Eine kleine Zusatzinformation sei dazu beigesteuert: Seit dem Beitritt zur EU ist die Arbeitslosigkeit in der Union gesamt gesunken - die in Österreich hingegen gestiegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2005)

Share if you care.