Masterplan für Stromausfälle gefordert

4. Februar 2005, 11:13
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Ein "Blackout" in Österreich ist derzeit relativ unwahrscheinlich, aber Vorkehrungen sind nötig, meint das "Forum Versorgungssicherheit"

Wien - Die Versorgungssicherheit bei Strom ist in Österreich derzeit im internationalen Vergleich relativ gut, Vorkehrungen für potenzielle Ausfälle sind dennoch nötig, so die Einschätzung des Forum Versorgungssicherheit. Die Chance für ein großes Blackout in Österreich sei zur Zeit relativ gering, so der Sprecher des Forums, Kärntens Alt-Landeshauptmann Christof Zernatto, in einer Pressekonferenz in Wien. Dennoch sei Krisenmanagement für eventuelle Störfälle notwendig, für deren operative Abwicklung man einen Masterplan der Politik brauche. Die Sorge gelte nicht so sehr der Gegenwart, sondern der Zukunft.

"Gewissen der Energiepolitik"

Das Forum Versorgungssicherheit ist ein gemeinnütziger Verein, werde von mittlerweile 180 bedeutenden Persönlichkeiten unterstützt, sei parteipolitisch unabhängig und sehe seine Aufgabe darin, das "Gewissen der Energiepolitik in Österreich" zu sein. Als eine Lobbying-Plattform für bestimmte Projekte verstehe man sich nicht.

Die Bevölkerung erwarte eine optimale Stromversorgung rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr ohne Unterbrechungen, eine 100-prozentige Sicherheit sei aber weder machbar noch finanzierbar, Krisenmanagement daher nötig, so Bruno Hersche, Geschäftsführer von Riskmanagement Consulting. Auch in der E-Wirtschaft könnten Naturereignisse die Versorgung ausfallen lassen. Wichtig für das Krisenmanagement sei die Kooperation zwischen den Unternehmen und der öffentlichen Hand.

Enorme Unterschiede bei Krisenplänen

Die erforderliche Kommunikation zwischen den Schnittstellen lasse sich technisch etwa via Internet bewerkstelligen, müsse aber auch durchgeführt werden. Es gebe enorme Unterschiede bei Krisenplänen, sowohl bei Behörden als auch bei Unternehmen, man müsse daher auf einen Standard kommen. Das sei heute in so großem Umfang noch nicht gegeben.

Durch das so genannte Unbundling bei den Energieversorgern - die Entflechtung von Erzeugung, Vertrieb sowie Energieübertragung sowie -verteilung - dürfe es zu keinen Kommunikations- und Datendefiziten kommen, so Zernatto. Die Politik könne man beim Krisenmanagement nicht aus der Verantwortung entlassen. Denn man erlebe es in Krisenfällen immer wieder, dass es im Nachhinein zu Vorwürfen an Leistungsträger komme. Zur Zeit befinde man sich in einer Phase, in der sehr viele Dinge aus der Politik ausgegliedert würden, die Politik sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, dass sie damit auch ihre Verantwortung ausgegliedert habe.

Auch für den Zivilschutz sei die Versorgungssicherheit eine wesentliche Voraussetzung, so der Präsident des niederösterreichischen Zivilschutzverbandes, Hans Klupper. In Krisenfällen sei von der Politik die Versorgung in drei Bereichen gefordert - Grundnahrungsmittel, Medikamente und Energie. Aber auch der Bürger selbst sei verantwortlich.

Vier Empfehlungen

Neben dem Masterplan für eventuelle Störfälle gibt das Forum vier weitere Empfehlungen ab. So soll die Zuständigkeit des Regulators auch auf den Bereich Versorgungssicherheit erweitert werden. Sich ausschließlich auf die Preise zu konzentrieren greife zu kurz, so Zernatto. Der Preis müsse auch Versorgungssicherheit und den Wunsch nach österreichischem und "ökologisch unbedenklichem" Strom abbilden. Die Preisbildung bei den Netztarifen müsse mehr umfassen als die Ermittlung des günstigsten Tarifs. Fehlende Rechtssicherheit und der Mangel an transparenten Regulierungsmodellen führten zu einer zurückhaltenden Investitionspolitik. So seien die Investitionen in Verteilanlagen zwischen 1998 und 2002 um mehr als 40 Prozent zurückgegangen.

Österreich sei zu einem Strom-Nettoimporteur geworden, eine Erhöhung der Importe stoße mittlerweile an die Grenze der Übertragungskapazität in den bestehenden Leitungsnetzen. Gefordert seien daher auch ein Masterplan für Kraftwerks- und Netzausbau. Zudem müssten die Verfahren beschleunigt werden. Der durch den Anstieg des Energieverbrauchs notwendige Ausbau der Kraftwerks- und Netzkapazitäten sollte nicht durch übermäßig lange Behördenverfahren verzögert werden, fordert das Forum. (APA)

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    Eine 100-prozentige Versorgungs­sicherheit ist weder machbar noch finanzierbar, so das Forum.

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