Bundesländer: Rückgang nur in Wien

3. Februar 2005, 10:31
6 Postings

Um 4,6 Prozent weniger Arbeitslose in der Bundeshauptstadt - AK-NÖ zieht "düstere" Bilanz

Wien - Nach Bundesländern ist die Arbeitslosigkeit nur in Wien gesunken, während alle anderen Bundesländer steigende Arbeitslosenzahlen meldeten. Den stärksten Anstieg verzeichnet Vorarlberg mit +10,9 Prozent (+975), gefolgt von Tirol (+6,3 Prozent; +1.008), Oberösterreich (+3,7 Prozent; +1.265), Burgenland (+2,1 Prozent; +245), Steiermark (+1,8 Prozent; +801), Kärnten (+1,8 Prozent; +425) und Niederösterreich (+1,5 Prozent; +804). In Salzburg war dagegen mit +0,7 Prozent bzw. +83 nur ein geringfügiger Anstieg zu beobachten.

Positive Entwicklung in Wien

Positive Arbeitsmarkt-Entwicklung in der Bundeshauptstadt: Laut Arbeitsmarktservice (AMS) Wien waren Ende Dezember 2004 insgesamt 89.752 Personen arbeitslos vorgemerkt, das sind um 4.373 Personen oder 4,6 Prozent weniger als im Dezember 2003. Betroffen waren 33.522 Frauen (minus 4,9 Prozent) und 56.230 Männer (minus 4,5 Prozent).

AMS-Wien-Chefin Claudia Finster wies in einer Aussendung unter anderem auf die Zahl der Langzeitarbeitslosen hin, die "stark gesunken" sei: "Es waren Ende Dezember 8.740 langzeitarbeitslose Personen (über ein Jahr arbeitslos, Anm.) registriert, um 4.798 Menschen oder 35,4 Prozent weniger als im Jahr davor." Auch die Gruppe der jobsuchenden Ausländer konnte demnach von diesem Trend profitieren: Ihre Arbeitslosigkeit sank um zwei Prozent auf 22.727 Personen, wobei 6.375 Frauen (minus 1,4 Prozent) und 16.352 Männer (minus 2,1 Prozent) arbeitslos waren.

Positiv war die Entwicklung auch bei älteren Arbeitnehmern - etwa mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 10,5 Prozent bei Personen ab 45 Jahren. Bei Jugendlichen bis 25 Jahren betrug der Rückgang sieben Prozent. Ende Dezember befanden sich weiters 16.609 Personen in Schulungen des AMS Wien. Das sind um 5.516 oder 49,7 Prozent mehr als im Dezember des Vorjahres.

SP-Rieder: "Ungebrochener Positiv-Trend"

Erfreut hat sich Wiens Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (S) über die Dezember-Arbeitsmarktdaten der Bundeshauptstadt gezeigt. Die Zahl der Arbeitslosen sinke seit August 2004, Wien sei das einzige Bundesland mit rückläufigen Zahlen. Bemerkenswert ist für Rieder, dass in Wien die vielen Maßnahmen und Programme greifen würden und auch so eine Reduktion der Arbeitslosen erreicht werden konnte. "Jetzt müssen auch in Gesamtösterreich die Anstrengungen verstärkt werden, um auch hier einen Rückgang erzielen zu können", so der Stadtrat. Er verwies auch darauf, dass im Gegensatz zum Bund die Frauenarbeitslosigkeit gesunken sei und es auch weniger arbeitslose Jugendliche gebe.

Wiener ÖVP verlangt Arbeitsmarktgipfel

ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter meinte dagegen zur APA, dass der Rückgang vor allem auf den massiven Einsatz von Schulungsmaßnahmen in Wien zurückzuführen sei. Rund 80 Prozent dieser österreichweiten Maßnahmen entfielen auf die Bundeshauptstadt. Die SPÖ solle "wirklich Arbeitsplätze schaffen" statt Arbeitslose in "Wellnesskurse zu schicken". Für Jänner verlangte er einen Arbeitsmarktgipfel.

FP-Kabas: Wien ist "Bremsklotz"

FPÖ-Klubobmann Hilmar Kabas wertete die Wiener Arbeitsmarktsituation in einer Aussendung als Bremsklotz für ganz Österreich. Wien habe in den zehn Jahren seit dem Amtsantritt von Bürgermeister Michael Häupl (S) rund 35.000 Arbeitsplätze verloren und trage bei allen wirtschaftlichen Indikatoren die "rote Laterne". Kabas verlangte Maßnahmen zur Standortsicherung und eine Intensivierung der Geschäftsstraßenförderung.

Grüne: "Keineswegs eine Entspannung"

"Der statistische Rückgang der Arbeitslosenzahlen in Wien ist zwar erfreulich, doch darf sich die SP-Stadtregierung auf diesen nun nicht gemütlich ausruhen", so die Grüne arbeitsmarktpolitische Sprecherin Monika Vana: "Denn damit ist keineswegs eine Entspannung am Wiener Arbeitsmarkt auszumachen." Für weiterhin Besorgnis erregend erachtete sie zum einen das nach wie vor hohe Niveau an Arbeit suchenden Menschen generell und zum anderen den steten Anstieg atypisch Beschäftigter Personen.

NÖ: AK-Bilanz für 2004 fällt "düster" aus

"Düster" fällt die Arbeitsmarktbilanz der AKNÖ für Niederösterreich im Jahr 2004 aus. Laut einer Aussendung vom Mittwoch habe es im Bundesland im Vorjahr die höchste Zahl an Beschäftigungslosen seit 1945 gegeben. Besonders davon betroffen seien die Frauen. Die Arbeiterkammer fordert nun "mehr aktive Arbeitsmarktpolitik".

Mehr als 40.000 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt 2004 bedeuten die höchste Rate seit 60 Jahren. Rekordverdächtig war laut AKNÖ auch der Monat Dezember mit insgesamt 53.151 vorgemerkten Personen. Vor allem jugendliche Frauen und integrierte Ausländerinnen würden unter der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung leiden. In der Dienstleistungsbranche sorgt die schwache Kaufkraft der Arbeitnehmer für eine hohe Frauenarbeitslosigkeit.

Auch die "Beschleunigung" der Arbeitslosigkeit nimmt nach Angaben der AKNÖ in Niederösterreich zu: Wurde im Jahr 2003 ein Anstieg um zwei Prozent registriert, waren es im Jahr darauf bereits 3,3 Prozent.

Die Verlangsamung des Arbeitslosenanstiegs im Dezember 2004 wurde in der Analyse nur durch verstärkte Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS) erzielt. "Denn Arbeitslose in Schulungsmaßnahmen zählen nicht als arbeitslos und fallen somit aus der Statistik", hieß es in der AKNÖ-Aussendung. Ende Dezember 2004 befanden sich 5.510 Personen in Schulungsmaßnahmen des AMS - um 761 Personen (oder 16 Prozent) mehr als im Jahr zuvor.

VP-NÖ: "Größter Beschäftigtenzuwachs aller Länder"

Für positive Reaktionen sorgten die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in Niederösterreich beim Arbeitsmarktsprecher der VP-NÖ LAbg. Hans Stefan Hintner: "Im Dezember 2004 ist die Zahl der aktiv Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent gestiegen - das entspricht einer Anzahl von 7.500 Personen. Das ist österreichweit der größte Anstieg an Beschäftigten." Bestätigt werde dieser Trend eines Abflachens der Arbeitslosigkeit in Niederösterreich auch durch die Arbeitsmarktprognose des AMS, so Hintner in einer Aussendung.

Zwar waren im Dezember insgesamt 53.151 Personen arbeitslos - um 1,5 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr -, dennoch sei dieser Anstieg der geringste im gesamten Jahr 2004. In Niederösterreich werde das Arbeitsplatzangebot überdurchschnittlich wachsen, prognostizierte Hintner. Die VP-NÖ wolle den "erfolgreichen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit weiterführen".

Initiativen wie das Beschäftigungspaket, die Initiative "Job konkret", das Jugend-Sonderprogramm, die zusätzlichen Ausbildungsplätze im Pflegebereich sowie zahlreiche wirtschaftsbelebende Maßnahmen haben sich laut Hintner bewährt und werden "weiterhin für eine Belebung des Arbeitsmarktes in Niederösterreich sorgen".

In Vorarlberg wieder weniger als 10.000 ohne Arbeit

In Vorarlberg waren im Dezember saisonbedingt wieder weniger als 10.000 Personen ohne Arbeit. Die Zuwachsrate gegenüber Dezember 2003 betrug allerdings 10,9 Prozent, teilte Werner Schelling, Geschäftsführer des Arbeitsmarktservice Vorarlberg (AMS), am Mittwoch mit. Mit einer Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent lag Vorarlberg im Dezember zwei Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt.

Durch den Beginn der Wintersaison hat sich die Zahl der Arbeitslosen in Vorarlberg von 10.406 im November, als erstmals die 10.000er-Marke überschritten worden war, auf 9.881 (5.539 Männer, 4.342 Frauen) im Dezember verringert. Gegenüber Dezember 2003 bedeutet dies allerdings immer noch eine Zunahme um 975 Arbeitslose. Besonders stark betroffen waren die Frauen, bei denen die Zuwachsrate 13,3 Prozent ausmachte. Von den 9.881 Arbeitslosen verfügen laut AMS 1.625 (16,4 Prozent) über eine Einstellungszusage.

Nach Angaben von Schelling hat sich die Verschlechterung des Arbeitsmarkts speziell bei den Personen mit geringer Qualifikation niedergeschlagen. "52,6 Prozent aller Vorgemerkten haben keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Schulabschluss vorzuweisen", sagte Schelling. Hinsichtlich der Berufsgruppen hätten sich dadurch die Bestände in den Hilfsberufen am stärksten erhöht. Auch das überdurchschnittliche Plus von 13,5 Prozent bei den Ausländern überrasche in diesem Zusammenhang nicht.

Erfreulich ist für Schelling hingegen die Entwicklung bei den unter 20-Jährigen. In diesem Bereich lag die Arbeitlosigkeit geringfügig (minus 0,8 Prozent) unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich gegenüber Dezember 2003 um 19 auf 480 (minus 3,8 Prozent) verringert. (APA)

Share if you care.