2004 höchste Arbeitslosigkeit der Zweiten Republik

4. Februar 2005, 13:39
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286.525 Arbeitslose im Jahresschnitt - Im Dezember 298.149 ohne Job, ausschließlich Frauen vom Zuwachs betroffen

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist auch im Dezember weiter gestiegen. Mit 298.149 Jobsuchenden betrug der Zuwachs im Jahresvergleich 0,42 Prozent oder 1.233 Personen. Gegenüber November betrug der Anstieg kräftige 20,8 Prozent oder 51.423 Personen. Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen waren auch im Dezember ausschließlich Frauen. Während die Zahl der männlichen Jobsuchenden um 0,33 Prozent auf 189.749 Personen zurückging, gab es bei den Frauen einen Zuwachs um 1,75 Prozent auf 108.400, geht aus der aktuellen Statistik des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor.

Höchster Jahres-Durchschnittswert der Zweiten Republik

Im Jahr 2004 waren im Jahresschnitt insgesamt 243.880 Personen arbeitslos gemeldet, das waren um 3.801 mehr als im Jahr 2003. Rechnet man die 42.645 in Schulung befindlichen Arbeitslosen (Jahresschnitt 2004) dazu, erhöht sich die Zahl der Jobsuchenden im Jahresschnitt auf 286.525 Betroffene und erreicht damit in absoluten Zahlen den höchsten Wert der Zweiten Republik.

Inklusive Schulungen 339.583 Arbeitslose

Rechnet man zu den offiziellen Dezember-Arbeitslosenzahlen die 41.434 in Schulung befindlichen Personen dazu, waren im Dezember 339.583 Österreicher auf Jobsuche.

Im Jahresvergleich zurückgegangen ist die Jugendarbeitslosigkeit: Bei den 15- bis 19-Jährigen betrug der Rückgang 7,45 Prozent, bei den 20- bis 24-Jährigen lediglich 0,75 Prozent. Insgesamt waren jedoch im Dezember 47.703 Jugendliche ohne Job.

Die Arbeitslosigkeit der über 49-Jährigen entwickelte sich mit einer Abnahme von minus 3,6 Prozent oder um 1.973 auf 53.257 Betroffene weiterhin günstig. Wie in den Vormonaten ist dabei die Arbeitslosigkeit sowohl in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen (-585 oder -2,0 Prozent) als auch bei den 55- bis 59-Jährigen (-1.477 oder -6,8 Prozent rückläufig. Bei den über 59-Jährigen war hingegen ein leichter Zuwachs von +89 bzw. +1,8 Prozent zu verzeichnen.

Akademiker am stärksten betroffen

Nach Ausbildung nahm die Arbeitslosigkeit vor allem bei Personen mit mittlerer Schulbildung (-1,5 Prozent; -225), Lehrabschluss (-1,0 Prozent; -1.114) und höherer schulischer Ausbildung (-0,4 Prozent; -79) ab. Einen deutlichen Anstieg gibt es dagegen nach wie vor bei Akademikern (+6,6 Prozent; +597) und vor allem bei den Gruppen ohne abgeschlossene Schulbildung (+3,0 Prozent; +398) und Pflichtschulabsolventen (+1,2 Prozent; +1.473). Anteilsmäßig entfallen 84,2 Prozent aller Arbeitslosen auf Personen ohne abgeschlossene Schule sowie Personen mit Pflichtschulabschluss oder Lehrabschluss.

Mehr als ein Viertel der im Dezember registrierten Arbeitslosen oder knapp 27 Prozent hatten laut Angaben des Wirtschaftsministeriums eine Wiedereinstellungszusage. Die Zahl der Jobsuchenden mit einer Zusage auf eine Arbeitsstelle erhöhte sich um 1,9 Prozent oder um 1.491 auf 79.552 Personen.

Mehr offene Stellen

Bei der Entwicklung der offenen Stellen habe der positive Trend weiter angehalten, so das Wirtschaftsministerium am Mittwoch anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktdaten. Ende Dezember 2004 lag die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten offenen Stellen mit einem Bestand von 18.671 um 4,1 Prozent (plus 730) über dem vergleichbaren Wert des Vorjahres. Deutliche Zuwächse verzeichneten vor allem die Sachgütererzeugung mit plus 12,6 Prozent (+266), das Bauwesen (+43,3 Prozent; +386), der Handel (+15,9 Prozent; +371), die unternehmensbezogenen Dienste (+28 Prozent; +928) und die sonstigen Dienstleistungen (+23,2 Prozent; +205).

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeitsepisode hat sich im Jahresvergleich um 7 Tage auf 94 Tage erhöht. Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Zahl der Langzeitarbeitslosen, und zwar um 24,1 Prozent oder um 5.576 Betroffene.

Rückgang nur in Wien

Nach Bundesländern ist die Arbeitslosigkeit nur in Wien (-4,6 Prozent; -4.373) gesunken, während alle anderen Bundesländer steigende Arbeitslosenzahlen meldeten. Den stärksten Anstieg verzeichnet Vorarlberg mit +10,9 Prozent (+975), gefolgt von Tirol (+6,3 Prozent; +1.008), Oberösterreich (+3,7 Prozent; +1.265), Burgenland (+2,1 Prozent; +245), Steiermark (+1,8 Prozent; +801), Kärnten (+1,8 Prozent; +425) und Niederösterreich (+1,5 Prozent; +804). In Salzburg war dagegen mit +0,7 Prozent bzw. +83 nur ein geringfügiger Anstieg zu beobachten.

Beschäftigung gestiegen

Gestiegen ist im Dezember die Beschäftigung. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich im Jahresvergleich um 1,13 Prozent oder um 35.271 Personen auf 3,166.596 Personen. Um 10.573 Schulungsteilnehmer bereinigt betrug der Anstieg sogar 45.844 Personen oder um 1,47 Prozent. Experten gehen allerdings davon aus, dass der Anstieg vor allem auf Teilzeitjobs zurückzuführen sei. Gegenüber November ging die Beschäftigung allerdings um 1,20 Prozent oder um 38.422 Betroffene zurück. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung betrug im Dezember 8,6 Prozent nach 7,1 Prozent im November und 8,7 Prozent vor einem Jahr. Die EU-Quote blieb mit 4,5 Prozent unverändert. (APA)

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    Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren auch im Dezember ausschließlich Frauen betroffen.

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