
Berufsbild im Wandel: Selma Hayek und Pierce Brosnan in "After The Sunset" als Autoknacker der neuen Art.
Mobilität, intellektuelle Wendigkeit und technisches Know-how werden fortan in eigener Sache und illegal zur Anwendung gebracht, um kapitalkräftige, unsichtbare Gegner zu schädigen. Auch eine kürzlich unerwartet freigesetzte Arbeitskraft, der als James Bond abservierte Pierce Brosnan, hat folgerichtig die Seiten gewechselt und agiert in After the Sunset von Brett Ratner (Rush Hour) nunmehr als ausgefuchster Meisterdieb.
Am Anfang steht der sprichwörtliche lukrative Ausstiegsjob - Frank Gehrys Konzerthalle in Los Angeles gibt dafür unter anderem ein spektakuläres Hintergrundbild ab. Maskeraden und der manipulative Einsatz von Hightech machen's möglich, dass der Dieb und seine Partnerin (Selma Hayek) sich bald darauf auf einer malerischen Südseeinsel zu langweilen beginnen. Zum Glück betritt ein einst genasführter und von seinen Vorgesetzten schlecht behandelter FBI-Agent (Woody Harrelson) die Szene. Er offeriert eine neue Herausforderung in Form eines streng bewachten Diamanten.
Spielerparadies
Damit ist das Katz-und-Maus-Spiel eröffnet. Schachzug um Schachzug wölbt sich über den initialen Coup. Weitere Spieler werden aktiv. Selma Hayek rückt Vorbau und Kehrseite ins Bild. Pierce Brosnan betätigt sich als Promoter üppiger Brustbehaarung. Das Liebesglück beginnt nach Sonnenuntergang, unter dem Druck heimlicher Planungen für den wirklich allerletzten Coup, zu knirschen.
Woody Harrelson macht daneben einen auf unbedarft und glaubt, damit wird er als Letzter lachen. Schwarze Sidekicks (Don Cheadle, Naomie Harris) geraten nach und nach zwischen die Fronten.
Das Ganze ist also nicht weiter spektakulär - ein routinierter Genrefilm, der sich dramaturgisch im kalkulierbaren Rahmen bewegt und an kalifornischen Stränden Südseestimmung nachstellen lässt.
Als eine Art populäres Sittenbild ist After The Sunset dann aber doch ganz schlüssig. Auch der neoliberale Meisterdieb arbeitet inzwischen eben nicht mehr im Verein mit anderen, sondern nutzt diese bestenfalls als Dummies. Im Mittelpunkt steht allein der geniale Spezialist - eine Fantasie, die sich letztlich mit den Modellen jener im Einklang befindet, die nicht nur soziale Absicherung als Bringschuld für jeden Einzelnen verkaufen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 5./6. 1. 2005)
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Hallo Standard-Redaktion! Ich habe eine durchaus ernstgemeinte Frage: Heute Morgen machte sich in deutlicher Missachtung des ursprünglich intendierten Zwecks meine Milch in dem am Herd befindlichen Topf selbständig, folgte quasi ihrem eigenen Willen unter Ausnutzung exogener Kräfte (Feuer). Und nun die Frage: Ist diese Milch nun als neoliberal zu bezeichnen? Würde mich interessieren...echt...
Auch lässt sich immer wieder die gleiche verlauste Taube auf meinem Balkonfenstersims nieder und setzt damit ganz deutlich ihr eigenes Wohl vor das anderer (vulgo das ihrer Artgenossen, meines, nicht zuletzt des erdulden müssenden, ergo sicherlich als dem Proletariat angehörenden Fenstersimses) - wie stehen Sie dazu? Neoliberal?
Bitte um Aufklärung!
Mfg
rz
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