Wettstreit der Geber

11. Februar 2005, 15:54
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Tu Gutes und sprich darüber, heißt die Devise der Geberländer nach der Flutkatastrophe in Südasien

Tu Gutes und sprich darüber, heißt die Devise der Geberländer nach der Flutkatastrophe in Südasien. Amerikaner, Europäer und selbst die Chinesen versuchen, sich mit ihrer Largesse auch gleich ein besseres Image in dieser Weltregion zu schaffen.

Zu diesem Zweck tourt der scheidende US-Außenminister Colin Powell mit Präsidentenbruder Jeb Bush durch Thailand, Indonesien und Sri Lanka, genauso wie EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel, dessen Anwesenheit allerdings weitaus weniger Aufmerksamkeit erregt. Selbst Ernst Strasser hat von seinem ehemaligen Chef Wolfgang Schüssel den Auftrag erhalten, österreichische Hilfe "sichtbar" zu machen.

Eine solche Mischung aus Altruismus und Egoismus liegt in der Natur der öffentlichen Diplomatie und ist in keiner Weise verwerflich. Im Gegenteil: Der Wettstreit der Regierungen um Großzügigkeitsmedaillen ist eine treibende Kraft hinter der größten Hilfsoperation, die von der Weltgemeinschaft je auf die Beine gestellt wurde. Das kommt letztlich den Opfern zugute.

Die USA spielen hier eine beeindruckende, aber auch umstrittene Rolle. Nach einer Schrecksekunde, in der Washington zuerst mickrige 15 Millionen Dollar zusagte und Präsident George W. Bush dann den darüber entrüsteten UNO-Koordinator Jan Egeland beschimpfte, stehen amerikanische Soldaten und Helfer nun an vorderster Front im Kampf gegen Hunger, Seuchen und Tod. Hier kommen die Stärken einer Supermacht zutage: Anders als die Europäer haben die USA Flugzeugträger und Militärbasen in der Region und können dadurch jene Hubschrauber rasch zum Einsatz bringen, ohne die viele Gebiete gar nicht erreichbar wären.

KaritativeTraditionen

Die Finanzmittel, die Amerika und Europa bisher versprochen haben, sind mit je 250 Millionen Euro ungefähr gleich groß und werden nur von Japans Zusagen in den Schatten gestellt. Beim Sammeln privater Spenden ist in Europa durch die hohe Zahl der eigenen Opfer die Betroffenheit größer. Dies wird durch die karitativen Traditionen der US-Gesellschaft und die volle steuerliche Absetzbarkeit der Spenden aufgewogen. Für den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems ist allerdings weniger das Geld als politische Führungsstärke entscheidend. Und die kann eigentlich nur aus Washington kommen.

Es mag auch gute Gründe für die USA gegeben haben, die Hilfskoordination anfangs nicht allein der UNO zu überlassen. Die Weltorganisation ist schließlich nicht für ihre Schnelligkeit und Effizienz berühmt. In der Krise kann es von Vorteil sein, sich nicht mit jedem absprechen zu müssen.

Aus ähnlichen Gründen halten auch alle EU-Staaten neben ihren Beiträgen für multilaterale Institutionen eine bilaterale Entwicklungszusammenarbeit aufrecht, aus der oft die interessanten Projekte entstehen. Leider entpuppten sich solche nationalen Programme in anderen Fällen als kaum verblümte Subvention für die eigene Exportwirtschaft. Amerikas USAid ist hier nicht der einzige, aber ein beständiger Sünder.

Goodwill

Ein weitaus größeres Problem würde allerdings entstehen, wenn sich die Bush-Regierung bei der Hilfe für Südasien von ihrer Abneigung gegenüber der UNO und den wachsenden Auseinandersetzungen mit Generalsekretär Kofi Annan leiten ließe. Denn auch in Asien wird der amerikanische Hang zum Unilateralismus mit Misstrauen beobachtet.

Der Goodwill, den Colin Powell und Jeb Bush derzeit aufbauen, würde schnell wieder verfliegen, wenn die Menschen den Eindruck bekommen, dass es den USA weniger um das Schicksal der Flutopfer als um außenpolitisches Kleingeld geht. (DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.1.2005)

Von Eric Frey
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