Österreich entwickelt sich zum IT-Standort

3. März 2005, 12:57
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Mehr Breitbandanschlüsse und E-Government-Projekte sollen Österreich für Neugründungen und Niederlassungen attraktiver machen.

"Es gibt kein Naturgesetz, dass die Software unbedingt aus Silicon Valley kommen muss." Günther J. Lang, Marketing Manager der Software AG Österreich, hat einen heiklen Punkt der europäischen IT-Seele berührt. Immer noch warten Vorstandsvorsitzende hinter verschlossenen Türen wie hypnotisiert auf die neuesten Signale aus den USA.

Es ist ein hartes Rennen um Ideen und Investoren, um Strukturvorteile und Reputation. Wer vorne liegt, hat auch bei der Frage des Standortes eine Chance auf die erste Startreihe. Längst verschärft noch der interne Wettbewerb in Europa die Lage - kleine Länder geraten in den Geruch der Statistenrolle.

Flexibel sein

Lang widerspricht dem Klischee, verweist aber auf Defizite: "Österreich ist kein Nebendarsteller, kämpft jedoch ebenfalls mit dem zergliederten Markt und der Sprachstruktur." Für Pessimismus sollte trotzdem kein Anlass bestehen. Tugenden wie Flexibilität mindern Nachteile. Lang nennt die Spezialisierung auf Systemintegration und Services, heimische Anbieter können mit den verschiedensten Unternehmen zusammenarbeiten. Solche Vorzüge liefern handfeste Anreize, wenn über Niederlassungen oder Neugründungen nachgedacht wird.

Für die Alpenrepublik spricht ein weiteres wichtiges Argument: Im internationalen Vergleich liegt der Ausbildungsstand österreichischer Fachkräfte nach wie vor im oberen Drittel. Die Perspektiven zeigen Big Player wie IBM. In Wien sind internationale Aktivitäten angesiedelt wie der Bereich Global Operation, zuständig für die Logistik der jährlich etwa 4400 neuen Produkte. Weiters wird die Region CEMA (Central, Eastern, Middle East, Africa) betreut, die rund 90 Länder aus Zentraleuropa, dem Mittleren Osten und Afrika umfasst.

In Österreich ist das Worldwide Platform Development Center entstanden: Hier wird die Windows Software Platform programmiert, ein Werkzeug zur Softwareverteilung auf alle Rechner der Mitarbeiter. IBM-Generaldirektor Ernst Nonhoff fordert zusätzliche Impulse für eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen: "Mit Projekten wie dem elektronischen Akt konnte sich Österreich laut internationalen Studien einen Stockerlplatz sichern. Trotzdem müssen wir unsere Vorreiterrolle weiter ausbauen, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können."

Ehrgeizige Pläne

Neben Projekten im Bereich E-Government verweist Nonhoff dabei auch auf die ARGE Breitband. Jene Initiative von Branchengrößen wie Cisco, Telekom Austria, Kapsch oder SAP, die 63 Prozent des heimischen Umsatzes im Bereich IT- und Telekommunikation erzielen, hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2006 sollen 60 Prozent der Haushalte über einen Eliteanschluss verfügen. Zwei Jahre später sollen es schon 80 Prozent sein.

Aus einem Übermaß an Manager-Freizeit ist diese Aktivität keineswegs entstanden. Seit Jahren trommeln Analysten, das Broadband die digitale Wirtschaft beflügeln kann. Laut einer Studie der Unternehmensberater Arthur D. Little besitzt Europa die langsamsten Internet-Zugänge hinter Asien und den USA. Eine Aufrüstung der Kapazitäten wird empfohlen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein Zurückbleiben verringert laut den Experten die Standortattraktivität, kostet Wachstum samt Arbeitsplätzen. Eine Leitfunktion wird in dieser Hinsicht nicht bloß dem E-Business zugedacht, sondern auch den Onlinedienste von Ämtern, Behörden sowie Institutionen. E-Government soll eine tragende Rolle in der Entwicklung spielen. (Christian Prenger, DER STANDARD Printausgabe, 03.01.2005)

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    zeichnung: peter kufner
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