In der Szene will jeder der beste Ripper sein

7. Februar 2005, 14:38
391 Postings

Wettbewerb um die erste Raubkopie von neuen Spielfilmen - Abgeschottetes Netz in Newsgroups und Chat-Räumen

Wenn ein neuer Film zum ersten Mal in die Kinos kommt, startet in der Szene der immer wieder gleiche Wettkampf: Wer bietet im Internet als Erster eine Raubkopie an, wer ist der beste Ripper? "Das ist eine Art Sport geworden", sagt Marc Morgenstern von der Firma Overpeer, die im Auftrag der Unterhaltungsindustrie das Internet nach Raubkopien durchsucht. "Die meisten Punkte macht man, wenn man es vor dem Veröffentlichungsdatum schafft."

"Die Szene"

Die Gruppen von Rippern, auch Warez-Gruppen genannt, haben eine eigene Gemeinschaft gebildet, die sie kurz nur "die Szene" nennen. Sie trifft sich vor allem in weniger sichtbaren Ecken des weltweiten Computernetzes - in speziellen Newsgroups oder Chat-Räumen, die über IRC-Programme zu erreichen sind. "Die Szene bildet ein sehr abgeschottetes Netzwerk", sagt Bruce Forest aus dem US-Staat Connecticut, der nach eigenen Angaben jahrelang dazugehörte, nun aber Firmen der Unterhaltungsbranche berät. "Es kann Jahre dauern, bis man Zutritt erhält."

Zerlegt

Die großen Dateien von Spielfilmen werden in einzelne Teile zerlegt und wirken ohne die erforderliche Software wie Unmengen von unlesbarem Textcode. Der Download erfolgt über Newsgroups oder auf privat eingerichteten Servern über das FTP-Protokoll. Die Zugangsdaten erhalten nur langjährige Mitglieder der Szene oder ihre Helfer: Oft Angestellte von Firmen, die am Prozess der Filmproduktion beteiligt sind und deswegen frühzeitig an die fertigen Daten kommen. In der Szene kennt man sich nur über Nicknames, der Kontakt läuft über anonyme E-Mail-Konten.

Insider

Um an den neuesten Film oder auch an eine neue Software zu kommen, suchen die Ripper den Kontakt zu Insidern der Hollywood-Studios, Angestellten der Marketing-Abteilung oder Mitarbeitern von DVD-Presswerken. Wenn das nicht gelingt, schmuggeln sie am Tag der Erstaufführung eine Videokamera ins Kino und konvertieren die Aufnahme dann ins Video-CD-Format.

Einer großen Zahl von Usern zugäglich

Aus den Ripper-Gruppen gelangen die Filmdaten auf File-Sharing-Plattformen wie BitTorrent und werden so einer großen Zahl von Internet-Nutzern zugänglich. Die Filmindustrie aber ist bemüht, die Verbreitung von Raubkopien schon an der Wurzel zu stoppen, bei Ripper-Gruppen, die Namen haben wie "Pirates of The Theater", "The Empire Group" oder schlicht "VideoCD". Diese haben sogar ihre eigenen Logos und hierarchische Strukturen. "Es gibt viele von ihnen, sie sind hoch organisiert und sehr verdeckt", sagt John Malcolm, der Leiter der Anti-Raubkopierer-Abteilung beim MPAA, dem amerikanischen Verband der Filmindustrie.

"Es gibt viele Ähnlichkeiten mit dem Kampf gegen die Drogen"

Auch die Ermittlungsbehörden haben keine genaue Vorstellungen, wieviele Gruppen es gibt. "Es gibt viele Ähnlichkeiten mit dem Kampf gegen die Drogen", sagt der Leiter der Einsatzgruppe Urheberrechte beim US-Justizministerium, David Israelite. "Man wird mit dem Problem nie fertig, aber man hofft, dass man es begrenzen kann."(APA/AP)

  • Artikelbild
Share if you care.