Unangemessen

11. Februar 2005, 15:52
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Diese Regierung versucht seit Minute eins ihrer Existenz die Arbeit der Medien zu leiten - Aber das ist einer solchen Tragödie nicht angemessen

Irgendwie passt es, dass die Bundesregierung ihre selbstrühmende Information zur Steuerreform und die Vermissten-Hotline unter derselben Telefonnummer anbietet. Sicher, das ist ein Callcenter und man wird weitergeleitet, aber es wirkt, na ja, gedankenlos. Billig. Unsensibel. Bei einer Regierung, die so sehr aufs News-Management versessen ist, dass sie sich individuelle Interviewpartner in unabhängigen Medien aussuchen will, wirkt das seltsam nachlässig. Oder vielleicht meint man ja, auf diese Details nicht achten zu müssen, weil man die Medien (den ORF) ohnehin im Griff glaubt.

Diese Regierung versucht seit Minute eins ihrer Existenz, mit einer straffen Zugangskontrolle und einer restriktiven Informationspolitik die Arbeit der Medien zu leiten. Das ist nicht verboten und die Aufgabe der Medien ist es, sich trotzdem durchzusetzen. Wenn aber eine solche Tragödie hereinbricht, gilt News-Management nicht mehr. Das Außenministerium gab tagelang nicht zu, dass man mit hohen Opferzahlen rechnen müsse. "Schutz der Angehörigen" oder angelernter Rückzug auf restriktive Informationspolitik? Wahrscheinlich beides. Aber das ist einer solchen Tragödie nicht angemessen. (Der Standard, Printausgabe, 04.01.2005)

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