Österreich wollte 72 Euro für den Ersatz-Reisepass

11. Februar 2005, 15:54
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Wie eine fünfköpfige Familie überlebte und sich daheim ein wenig gefrotzelt vorkam

Neudörfl – Die Welle kam, kurz nachdem die dreijährige Lisa Kern gesagt hatte: "Mama, ich muss lulu." Hätte sie das nicht gesagt, ist sich Bibiane Kern, die Mutter, sicher, "wären wir beide tot". Denn während sie sich vom Strand entfernten, verschwand das Meer, um wenig später als Wasserwand, "zehn, fünfzehn Meter hoch", zurückzukommen. Und es kam schnell, erfasste die beiden, schwemmte sie durchs Bungalowressort, "hinter mir platzte eine Glaswand". Als der Standard sie am Montag besuchte, kam sie gerade aus dem Wiener Neustädter Krankenhaus, "die Schnittwunden haben sich entzündet".

Während die Welle kam, war Gerhard Kern mit den beiden Buben unterwegs zu einer Raftingtour. Da hörte er von der Flut, wollte zurück, durfte aber nicht, "die haben den ganzen Strand natürlich abgesperrt". Erst am nächsten Tag, dem Montag, durften er und die Buben hin zu den Bungalows, "die waren weg, überall lagen Tote, ein Angestellter sagte: Wer am Strand war, ist tot." Frau und Tochter waren am Strand. Vom Bedürfnis der Dreijährigen wusste er ja nichts.

"Am Konsulat unsere Namen verschlampt"

Er und die beiden Buben begaben sich dennoch auf die Suche durch die Spitäler, kamen auch ins Sammellager in Phuket, "dort waren alle Nationen, auch Österreich, nur war dieser Stand nicht besetzt". Polizisten stellten die Verbindung mit dem Konsulat her, Gerhard Kern ließ sich und die Buben als Überlebende registrieren, Bibiane Kern auch. Dennoch erfuhren die Getrennten erst am Montagabend vom knappen Glück. Über Österreich: Beide hatten sich daheim gemeldet, "am Konsulat hat man unsere Namen verschlampt".

Dafür sei ihnen ein Heimflug angeboten worden, "die AUA würde kulante Preise für den Rückflug verrechnen". Vier der fünf Familienmitglieder hatten keinen Pass. Gerhard Kern: "Man wollte 72 Euro pro Stück." Die thailändischen Behörden hätten umstandslos fingerabdruckbeglaubigte Ausreisedokumente ausgestellt, erst auf Urgenz bekamen die Kerns entsprechende österreichische. Weil sie nicht mit der AUA flogen, kehrten sie erst zu Neujahr zurück.

In Schwechat hieß es: "So ein Glück. Kaum eine so große Familie ist komplett zurückgekommen." Dann sahen sie die Kronen Zeitung. Dort stand im Zusammenhang mit dem Konsulat in Phuket: "Der Held von Phuket." Und das schien den fünf Kerns denn doch ein starkes Stück. (Der Standard, Printausgabe, 04.01.2005)

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