Verhaltenskodex für Familien-AGs

6. April 2005, 15:55
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Ein Governance Code für Familien-AGs erfüllt vor allem den Zweck, das Unternehmen vor der Familie zu schützen

Wenn Familienunternehmen eine bestimmte Größe überschreiten, kann es sinnvoll sein, auf eine Aktiengesellschaft (AG) umzugründen. Das Unternehmen stellt sich dadurch auf stabilere Beine, weil es sich für den Schritt an die Börse vorbereiten kann und so nicht vollkommen auf die natürliche Erbfolge angewiesen ist. Denn die ist, wie die Geburtenziffern zeigen, alles andere als wahrscheinlich.

Um diesen Schritt zu erleichtern, bedarf es jedoch entsprechender Vorkehrungen. Der wichtigste davon ist, die Unternehmensstrukturen transparent zu machen, um den so genannten Corporate Governance-Bestimmungen - ein unverbindlicher Verhaltenskodex für börsenotierte Unternehmen - erfüllen zu können. Es liegt daher nahe, einen entsprechenden Kodex auch für Familien-AGs einzuführen.

Vorreiter Deutschland

In Österreich wurde ein solcher Kodex noch nicht erstellt, in Deutschland hingegen schon. Der Hauptzweck des deutschen Governance Kodex für Familienunternehmen liegt darin, die Unternehmen vor den Familien zu schützen. Denn, so der Ansatz der aus namhaften deutschen Familienunternehmern bestehenden Kommission zur Entwicklung des Kodex, Corporate Governance für börsenotierte Unternehmen könne nicht ohne weiteres auf Familien-AGs übertragen werden.

Tradition verhindert

Familienbetriebe in AG-Form plagt häufig das Problem, dass die (familienfremde) Geschäftsführung bei Konflikten mit den Familien-Gesellschaftern wenig zu sagen hat. Das ist einerseits verständlich, sind die Familienmitglieder ihrem Unternehmen doch emotional stark verbunden. Diese Bindung ist jedoch häufig mit einem rückwärtsgewandten Bild des Unternehmens verstrickt - eine Geschäftsführung, die stark auf Innovation setzt, hat es hier schwer.

Der deutsche Kodex sieht für solche Situationen die Möglichkeit vor, ein freiwilliges Kontrollorgan einzurichten, das die Rolle der Familien-Gesellschafter im Visier hat. In einigen deutschen Familienunternehmen geschieht das in Form einer Pflichtquote für familienfremde Mitglieder im Aufsichtsrat.

Familie hat Vorrang

Auch Streit im Gesellschafterkreis ist ein besonders in Familienunternehmen vorherrschendes Problem. Dominierende Patriarchen, die dem Nachwuchs keine Luft lassen, oder die Diskriminierung familienfremder Gesellschafter können der Anlass sein. Manche Unternehmen beugen solchen Konflikten vor, indem sie Familienmitglieder bei der Besetzung höherer Posten den Vorrang geben - und nehmen sich damit selbst die Chance, besser qualifizierte externe Fachkräfte zu engagieren.

Um all diesen Problemsituationen die Grundlage zu nehmen, fordert der Kodex verbindliche Altersgrenzen für Geschäftsführer. Die Unternehmen sollen es zum Prinzip erheben, dass Geschäftsführer, die dieses Alter erreichen, aus dem Management ausscheiden. Außerdem sollte es selbstverständlich werden, Positionen in erster Linie nach dem Kriterium Qualifikation zu besetzen - die Familienangehörigkeit ist höchstens als zusätzliches Plus zu betrachten.

Der Verhaltenskodex will Familiengesellschaftern nicht die Kompetenz zur Kontrolle ihres Unternehmens rauben. Er will ihnen nur helfen, typische Problemsituationen zu erkennen, um mit ihnen umgehen zu lernen. Gebe es einen derartigen Kodex auch in Österreich, würde es so manchen Familien-AGs leichter fallen, ihr Überleben dauerhaft zu sichern. (mas)

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