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vergrößern 440x293Der Fund soll nach Ansicht von Archäologen das hohe Zivilisationsniveau der Räter belegen, jenes Volkes, das in den Jahrhunderten um Christi Geburt - von keltischen Stämmen umgeben - den zentralen Alpenraum besiedelte. Innsbrucker Urgeschichtler haben aus zwei Dutzend Bruchstücken, die bei mehreren sommerlichen Grabungskampagnen bei Fritzens im Unterinntal entdeckt wurden, eine kunstvoll geschnitzte Winkelharfe rekonstruiert.
Inschrift vermutlich Name des Besitzers
Wie Ausgräber Gerhard Tomedi vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck erläutert, lag das Instrument auf mehrere Quadratmeter verstreut unter den Trümmern eines eisenzeitlichen Herrensitzes auf dem Pirchboden bei Fritzens. Das Gebäude wurde wahrscheinlich bei der Eroberung des Alpenraums durch die Römer im Jahr 15 vor Christus zerstört. Der aus einem Hirschgeweih geschnitzte, 32 Zentimeter lange Harfenarm ist mit Ornamenten und einer Tierfigur verziert, die ein mythisches Mischwesen - ein Pferd mit Schlangenbeinen - darstellt.
Als archäologische Sensation betrachten die Forscher, dass sich auf dem Fundstück auch eine der seltenen rätischen Inschriften findet. Die eingekerbten Buchstaben nennen wahrscheinlich den Besitzer des kostbaren Instruments. Der geschwungene Harfenarm weist Bohrungen für sieben Saiten auf. Auch die Bronzestifte, mit denen die Saiten fixiert wurden, sind zum Teil vorhanden. Nicht erhalten hat sich der wahrscheinlich hölzerne Schallkörper.
Nachbau überlegt
Laut Tomedi ist die Harfe vom Pirchboden durchaus mit Instrumenten vergleichbar, die man von Abbildungen aus der Mittelmeerwelt kennt. Als archäologisches Fundstück sei sie jedoch nahezu einzigartig. "Man muss sehr weit gehen, etwa in den Bereich der Skythen Südrusslands und Sibiriens, um ein vergleichbares Objekt zu finden", meinte Tomedi. Ein Nachbau des hoch entwickelten und technisch ausgereiften Instruments in Zusammenarbeit mit internationalen Musikwissenschaftern sei bereits ins Auge gefasst.(APA)
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Wie Stefan Schumacher aufgrund grammatischer gemeinsamkeiten jüngst nachweisen konnte (nachzulesen in seinem buch über die rätischen inschriften), war die rätische sprache mit dem etruskischen verwandt. Weitere sprachgenetische zuordnungen dieser sprachengruppe sind unbekannt, aber jedenfalls sind sie nicht der indogermanischen sprachfamilie zuzuordnen.
David Stifter
Institut für Indogermanistik
Universität Wien
vorkeltischen Urnenfelderleute ansehen? Dann wären sie verwandt mit den Venetern und den Illyrern und vielleicht doch so etwas wie eine vorkeltische Restbevölkerung, allerdings unter großem Einfluß der Etrusker, den etruskische Händler mit über die Alpenpässe gebracht haben könnten.
Über die verwandtschaftsverhältnisse vorhistorischer völker wie der urnenfelderleute kann man an sich überhaupt nichts aussagen, da eine ethnische oder linguistische identifizierung solcher gruppen, die sich durch materielle kultur manifestieren, methodisch nicht möglich ist.
Eine solche identifizierung und stammbaumbildung war im rahmen der "kulturkreistheorie" möglich, die bis in die 1. hälfte des 20. jh. vorherrschend war. Gemäss dieser theorie gab es in der vorgeschichte klare definierte kulturkreise, die sich einerseits materiell klar voneinander abgrenzten, aber deren grenzen gleichzeitig auch identisch waren mit ethnischen, linguistischen, religiösen und anderen kulturellen grenzen. Die moderne forschung nach dem 2. WK hat solche ideen als methodisch unhaltbar erwiesen. Leider geistern solche vorstellungen auch heutzutage ausserhalb des wissenschaftlichen diskurses zb in den medien oder in populären darstellungen noch immer herum. Nur sind sie leider völlig unmöglich, weil unbeweisbar.
Hatten diese gemeinsame geschichtliche Wurzeln?
Irgendwie, wäre es dann ja ein wenig witzig.
Denn die Römer übernahmen doch viel von den Etruskern, oder?
Da rauft sich Rom auf, um den weiterentwickelten Nachbarn zu assimilieren und erst Jahrhunderte später, kommen die "Reste" dieser Zivilisation auch in das römische Imperium..
als abgezäunte Grüppchen vorstellen, die nur im Eroberungsfall Kontakt mit den Nachbarn hatten. Das unselige Erbe des üblichen Geschichtsunterrichtes tötet da leider alle Vorstellungskraft.
Schon in der Steinzeit haben die Menschen (vor allem über die Wasserwege) in ganz Europa untereinander kommuniziert, erst recht in der "Antike". Gedanken- und Kulturaustausch gab es immer.
Gerade das römische Reich hat immer rege Beziehungen auch mit Nachbarn unterhalten, die es nicht unterworfen hat, und nicht nur Scharen von "Barbaren" ins eigene Heer als Söldner integriert.
Das neue ist die rekonstruktion des gegenstandes, der fund der meisten teile selbst ist schon einige jahre her. Über die harfe wurde schon publiziert, siehe G. Tomedi "Zur vorgeschichtlichen Musik in Alttirol und im Südalpenraum", in: Musikgeschichte Tirols 1, hrsg. K. Drexel, M. Fink, Innsbruck 2001, 31f.
Die leider stark fragmentierte inschrift ist von Stefan Schumacher als nummer IT-4 im eben erschienen buch "Die rätischen Inschriften. Geschichte und heutiger Stand der Forschung", 2., erweiterte Auflage, Innsbruck 2004, 326 ff., abb. 363 behandelt. Er liest die aufschrift, soweit bei der beschädigung entzifferbar, als "ritie [===x==[]=]le" (oder "...pe").
David Stifter
Institut für Indogermanistik
Universität Wien
Diese symbole geben an, dass die entsprechenden zeichen aufgrund der beschädigung des schriftträgers nicht lesbar sind. Schumacher p. 327 schreibt dazu: "Die folgenden Schriftzeichen sind zum größten Teil nicht identifizierbar, da oben und unten jeweils so viel von dem Horn verlorengegangen ist, daß eine Identifikation der jeweiligen Zeichen unmöglich ist. Deutlich identifizierbar sind nur ein x in der Mitte sowie die beiden letzten Zeichen."
Im anschluss daran beschreibt Schumacher die fragmentarischen buchstaben, sieht aber davon ab, den text rekonstruieren zu wollen.
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