Kopf des Tages: Krisenmanager mit Sinn für Schlagzeilen

11. Februar 2005, 15:52
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Als oberster Krisenkoordinator kennt Jan Egeland das Elend der Welt

Jan Egeland kennt das Elend der Welt. Als oberster Krisenkoordinator der Vereinten Nationen erlebt der 46-Jährige Hungersnöte, Erdbeben, Unwetter und Kriege. Aber keine dieser Katastrophen hat in so kurzer Zeit so viele Menschen in den Tod gerissen.: Die Flutwellen in Asien könnten sich zum Unglück des noch jungen Jahrhunderts auswachsen.

Egeland und seine Teams sind jetzt gefragt. Der groß gewachsene Norweger mit den blonden Haaren und den blauen Augen muss als UN-Untergeneralsekretär die Hilfe koordinieren. Dabei kann er auf eine gut geölte Maschine zurückgreifen. Sein eigenes Büro zur Koordinierung der humanitären Hilfe (OCHA), die Weltgesundheitsorganisation, das Welternährungsprogramm und das Kinderhilfswerk Unicef werden die Hauptarbeit leisten. "Die Koordination ist einen enorme Aufgabe, Egeland ist aber der richtige Mann dafür", sagt ein westlicher Diplomat.

Im Einsatz für die gute Sache

Der Skandinavier ist seit einem Vierteljahrhundert im Einsatz für die gute Sache. Er leitete als Staatssekretär im norwegischen Außenministerium humanitäre Einsätze, er war UN-Sonderberater für Kolumbien und Generalsekretär des Norwegischen Roten Kreuzes. Mit anderen Norwegern fädelte er 1992 die Geheimgespräche zwischen Israelis und Palästinensern ein. Zudem verdiente sich der Politologe akademische Meriten an Universitäten in Berkeley, Oslo und Jerusalem.

Und der verheiratete Vater zweier Töchter berichtete als Reporter für das Fernsehen und Radio seiner Heimat. Kritiker im UN-System behaupten, seine Jahre im Mediengeschäft hätten Egelands Sinn für Schlagzeilen zu sehr geschärft. Er neige zu Übertreibung.

Tatsächlich ist der Mann, der so ruhig spricht und so besonnen wirkt, für aufrüttelnde Berichte immer zu haben. Kurz nach Ausbruch der Flutkatastrophe rüffelte Egeland die reichen Geberländer als zu "knauserig". Die Wohlhabenden müssten mehr Geld für die Opfer des Unglücks bereitstellen, verlangte er. Die Retourkutsche aus Washington kam sofort. US-Präsident Bush kanzelte Egeland in harscher Manier ab: "Die Person, die das sagte, war sehr irregeführt und uninformiert." Später ruderte Egeland zurück. Dennoch: Seine Kritik hat nach Meinung von Beobachtern die Kassen vieler Regierungen ein Stück weiter geöffnet.

Auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hat sich der Norweger angelegt. Für den Kreml-Herrn soll Egeland ein rotes Tuch sein. Nach einer Visite der Kriegsregion Tschetschenien mit der Hauptstadt Grosny sagte der UN-Funktionär: "Ich habe viele zerstörte Städte gesehen. Aber Grosny ist wirklich eine der allerschlimmsten." In der südasiatischen Krisenregion wird Egeland wohl noch gröbere Verwüstungen zu sehen bekommen. (Jan Dirk Herbermann, Der Standard, Printausgabe, 03.01.2005)

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