Koubek: "Ich bin ja doch ich"

3. Februar 2005, 11:44
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Statt in Doha zu spielen hockt Stefan Koubek im verschneiten Lechtal - Dort versucht er, seine Dopingsperre aufzuarbeiten

Wien - Stefan Koubek hat zweimal mit Mark Miles telefoniert, der ATP-Boss ist ein smarter Typ aus den USA, er pflegt unverbindlich zu lächeln, diesen Gesichtsausdruck kriegt man sogar via Handy mit. Er versicherte Koubek der vollen Unterstützung der Gewerkschaft, die Anwälte prüften, man zweifle nicht an seiner Unschuld. Aber, so die Conclusio: Die dreimonatige Sperre bleibt, man könne sich nicht gegen den internationalen Tennisverband ITF stellen, die ATP sei vertraglich gebunden, er müsse das verstehen. Koubek verstand mit Abstrichen: "Wegen mir werden sie sicher nicht alles umstürzen. Aber ein bisserl feig sind sie schon."

Zur Erinnerung: Koubek wurde am 21. Dezember wegen Dopings verurteilt. Ende Mai 2004 ergab ein Test bei den French Open Spuren des Kortison-Präparates Volon. Der Wiener Sportarzt Martin Leixnering hatte ihm am 15. Mai eine Spritze verabreicht, um die Schmerzen im rechten Handgelenk zu lindern. Koubek hatte nachgefragt, ob darin eine verbotene Substanz enthalten sei, das wurde verneint. Leixnering meinte später, er habe nicht gewusst, dass Koubek in Paris spielt.

Den Scherben hat der Kärntner, der gestern 28 Jahre alt geworden ist, auf. Er weilt zurzeit mit Freundin Simone im Lechtal, gefeiert hat er kaum. "Mir ist danach nicht zumute. Ich bin frustriert und demotiviert." Selbst zum Skifahren fehle ihm die Lust. Ein paar Mal ist er widerwillig Laufen gewesen, hat sich hin und wieder aufs grausliche Rad gesetzt, damit die Muskeln beschäftigt bleiben. Wobei er schon gesagt haben will, "dass meine Probleme eigentlich lächerlich sind. Wenn ich vor dem Fernseher hocke und die Bilder von der Flutkatastrophe sehe. Aber solche Dinge soll man wohl nicht vergleichen. Ich bin ja doch ich."

Insofern sei es für ihn schwierig, "mitzubekommen, wie die anderen ihrem Beruf nachgehen." Jürgen Melzer arbeitet in dieser Woche in Adelaide, er trifft auf Tomas Berdych. Was Koubek nicht kapiert, ist die Tatsache, "dass das schriftliche Urteil erst Mitte Jänner ergehen soll und ich danach rechtliche Schritte einleiten kann. Warum geben sie mir nicht eine einstweilige Verfügung? Ich verstehe überhaupt nicht, warum das alles so ewig lange dauert."

Er, Koubek, habe in den vergangenen Tagen aber auch positive Erfahrungen gemacht. "Ich wurde nie als Verbrecher dargestellt, die Öffentlichkeit hat mit geglaubt. Weil meine Darstellung der Wahrheit entspricht." Hilfreich sei zudem gewesen, "dass ausgerechnet der Dopingfahnder Karlheinz Demel voll hinter mir steht und mich verteidigt".

Koubek wird (noch) vorsichtiger sein. Er nimmt regelmäßig das Nahrungsergänzungsmittel Peeroton zu sich, das ist ein österreichisches Produkt, welches in Seibersdorf geprüft und als unbedenklich eingestuft wurde. "Sollt ich je wieder eine Spritze benötigen, werde ich auch tausend Zettel ausfüllen und bei 150 Ärzten nachchecken."

Irgendwann, sagt er, "muss ich es positiv sehen. Wenigsten habe ich jetzt mehr Zeit, mich intensiv vorzubereiten Normal jammern wir alle, dass die Pausen zu kurz sind." Er sitzt also gelangweilt im Lechtal und wollte ursprünglich in Doha munter sein. Die Australian Open wird er im Fernsehen verfolgen, die Hoffnung auf den Daviscup in Sydney (4. bis 6. März) ist intakt. "Vielleicht klappt die Berufung."

Das Preisgeld von den French Open, 35.000 Euro, muss er zurückerstatten. Ab 21. März darf Koubek arbeiten, das Turnier in Miami geht sich aus. "Wichtig ist, dass ich Tennis noch immer sehr mag." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 3. Jänner 2005, Christian Hackl)

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