Keine Partei, kein Verein, kein ORF-General

7. Februar 2005, 17:39
20 Postings

Zehn Jahre ist Elmar Oberhauser ORF-Sportchef, in zwei Jahren winkt die Pension - Ambitionen auf höhere Weihen? Er lobt lieber seine Chefin

STANDARD: Fünf eng beschriebene A4-Seiten schickte der ORF aus über zehn Jahre Elmar Oberhauser: "fair und gradlinig, definitiv ein Mann mit Gewicht und Handschlagqualität, im unermüdlichen Einsatz", dutzende Würdigungen. Das liest sich wie ein Nachruf.

Oberhauser: Vielleicht ist es so weit. Ich hoffe natürlich nicht.

STANDARD: Worauf sind Sie am meisten stolz im Sport?

Oberhauser: Dass mir gelungen ist, ein Team aufzubauen, das jung, dynamisch ist, das alle wünschbaren Attribute hat.

STANDARD: Aha. Ihr größter Fehler?

Oberhauser: Zum Beispiel hätte ich nie Sportsendungen moderieren sollen. Das sollen junge Leute tun.

STANDARD: Fehlt Ihnen die Fußballbundesliga?

Oberhauser: Ja.

STANDARD: Ein Fehler, nicht gegen Premiere mitzubieten?

Oberhauser: Wir haben hundertprozentig richtig gehandelt. Wir sind über den Tisch gezogen worden, wie ich es unter anständigen Leuten nicht für möglich gehalten hätte. Mit öffentlichen Geldern hat man sorgfältig umzugehen. Die Zuschauerzahlen zeigen, dass der wirkliche Verlierer der Fußball ist.

STANDARD: Nervt Sie nicht schon das viele Skifahren?

Oberhauser: TV-Kritiken beeindrucken mich nicht. Die Zuseherzahlen zählen, und die sind sensationell.

STANDARD: Nervt Sie dann, dass Sie immer neue Sendungsteile um Skiübertragungen herumbasteln müssen, damit noch ein Werbeblock Platz findet?

Oberhauser: Überhaupt nicht. Das zeigt doch nur, wie weltfremd manche Bestimmungen in Österreich sind, in dem Fall für die ORF-Werbung.

STANDARD: Als Generalin Monika Lindner kam, wurden "Runde Tische" mit Ihnen angekündigt. Warum wurden daraus nur seltene Wahldebatten?

Oberhauser: Ich bekomme selbst keine Antworten auf diese Frage. Mein Bedauern darüber hält an. Ich würde das gerne machen. Ich freu mich aber, dass ich wenigstens bei Wahlen meine politischen Bedürfnisse stillen kann.

STANDARD: Sie werden am 2. Jänner 58. Wollen Sie bis zur Pension Sportchef bleiben?

Oberhauser: Ein klares Ja. Und es gibt keine Alternativen, ich brauch auch keine.

STANDARD: In eineinhalb Jahren wird im ORF wieder ein Generaldirektor gewählt, da könnte man schon über Alternativen nachdenken.

Oberhauser: Sie müssen den politischen Hintergrund sehen. Ich gehöre zu keiner politischen Partei, also ist die Gefahr klein, dass diese Dinge Wirklichkeit werden. Das ist heiße Luft, da ist nichts dran. Ich bin Realist genug, dass ich bei meinem Leisten bleibe.

STANDARD: Sie können ja Infodirektor, Chefredakteur werden.

Oberhauser: Das sind Sandkastenspiele. Da verkehren die Züge in Österreich ganz anders. Ich gehöre zu keiner Partei, keinem Verein und bin sehr froh darüber. Entweder man gehört als Journalist wo dazu oder man kann sich Unabhängigkeit bewahren.

STANDARD: Im ORF wird man nichts ohne Partei oder Verein.

Oberhauser: Das heißt es nicht. Ich sage nur, diese Planspiele haben keinen realistischen Hintergrund.

STANDARD: Man könnte auch schließen, dass sich die höheren Chargen ihre Unabhängigkeit nicht bewahrt hätten.

Oberhauser: Das wäre unfair. Ich kann am 1. Jänner 2006 in Pension gehen, brauche niemandem mehr schönzutun, aber: Frau Doktor Lindner macht einen hervorragenden Job, auch für den ORF-Sport.

STANDARD: Was machen Sie mit dem vielen Geld, das Sie sich mit Fußball ersparen?

Oberhauser: Das müssen Sie den Kaufmännischen Direktor Fragen. Motorrad nicht, da zeigt ATV+, dass in Österreich kein Interesse herrscht. Wünschen würde ich mir eine Art Sportstammtisch zu aktuellen Anlässen. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2005)

Zur Person

ORF-Sportchef Oberhauser war zuvor Politinterviewer und -moderator.

Die Fragen stellte Harald Fidler.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.