Bleibende Schäden unter Wasser

21. Februar 2005, 09:53
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Zerstörte Korallenriffs brauchen laut ExpertInnen Jahrhunderte zur Erholung - Fischbestände bedroht

Hongkong - Die todbringenden Flutwellen im Süden Asiens haben auch unter Wasser bleibenden Schaden angerichtet, der nach Auffassung von Experten erst in Jahrhunderten behoben sein könnte. Korallenriffe, Mangroven und Fischbestände seien ernsthaft bedroht, fürchtet Ketut Sarjana Putra, Direktor der Umweltschutzorganisation Conservation International mit Sitz auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali. "Die Korallenriffe sind möglicherweise völlig zerstört, die werden erst in Hunderten Jahren nachwachsen."

Fischbestände gefährdet

Das ausgeklügelte Zusammenspiel von Flora und Fauna im Unterwasser-Ökosystem drohe damit ebenfalls vernichtet zu werden: Fischbestände brauchen die Korallenriffe als Lebensraum. Lyle Vail, australischer Korallenfachmann auf der Forschungsstation Lizard Island am Great Barrier Reef, vergleicht die Wirkung eines Tsunami für Korallen mit der eines Zyklons an Land. Die Korallen würden mit solcher Wucht aneinander gerieben, dass sie weitgehend zerstört würden. Die Vernichtung von Larventieren, die auf den Korallen siedeln, könne obendrein die Regeneration des Riffs verlangsamen.

Erstes Anzeichen für das Ausmaß der Zerstörung werde ein verminderter Fischbestand sein, prophezeit der in Sri Lanka stationierte Umweltschützer Jerker Tamelander von der Organisation IUCN. Entweder der Lebensraum der Fische sei zerstört oder sie seien durch die gewaltigen Wellen aus ihren angestammten Plätzen weggetrieben worden. "Und dabei waren die Ökosysteme in der Region ohnehin schon sehr angegriffen", sagt Tamelander. Viele Korallenriffe hätten gerade erst langsam angefangen, sich von den Temperaturschwankungen zu erholen, die durch das "El Nino" genannte Klima-Phänomen ausgelöst worden seien.

Mangroven angegriffen

Neben den Korallenriffen sind Tamelander zufolge auch die Mangroven schwer angegriffen, die in der Meereswelt zahlreiche Funktionen erfüllen. Diese Pflanzen- und Baumarten, die in Salz- und Brackwasser leben können, schützten die Küsten vor Erosion und dienten oftmals als "Kinderstube" für den Nachwuchs der Fische. Viele Mangroven seien von den Tsunamis völlig entwurzelt und zerstört worden. Die Wellen hätten außerdem tonnenweise Salz, Schlick und organische Substanzen mitgeführt, die das Unterwasserleben geradezu ersticken.

Die betroffenen Länder Thailand, Indien, Sri Lanka, Indonesien und die Malediven hätten alle weitläufige Korallengebiete, gibt Michael Keough, Professor für Meeresökologie an der Universität Melbourne, zu bedenken. "Es wird schwer festzustellen, wie groß der Schaden im Meer wirklich ist." Doch die Folgen für die Ökosysteme seien zweifellos sehr schwerwiegend. Sogar die Küstenlinien könnten sich verschieben. (APA)

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