Gerüchte über Schröder-Ablöse dementiert

31. Dezember 2004, 16:12
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Kanzler soll sich von Trennung von Finanzminister Imagegewinn erhoffen

Berlin - Die deutsche Regierung hat einem Pressebericht über eine vorzeitige Ablösung von Finanzminister Hans Eichel (SPD) energisch widersprochen. Bei der Meldung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" handele es sich um "einen völlig missglückten Silvesterscherz", sagte Vize-Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth am Donnerstagabend in Berlin. "Der Bericht entbehrt jeder Grundlage."

Das Hamburger Magazin hatte ohne Angabe von Quellen berichtet, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erhoffe sich von einer vorzeitigen Trennung von Eichel einen Imagegewinn. Bei der nächsten Gelegenheit, auf jeden Fall aber noch im kommenden Jahr, solle Eichel seinen Posten räumen.

Der Kanzler wolle ohne alten Ballast in den Bundestagswahlkampf 2006 gehen, heißt es in dem Bericht. Schröders Unzufriedenheit mit seinem Minister habe dem Vernehmen nach in den vergangenen Wochen einen Höhepunkt erreicht. Zuletzt habe Eichels Vorschlag, die Bundesbank solle einen beträchtlichen Teil ihrer Goldreserven verkaufen und ihm die Erlöse zum Stopfen der Haushaltslöcher überweisen, für Ärger gesorgt.

Sicheres Zeichen für Eichels Entmachtung

Eichel habe jeden politischen Instinkt verloren, zitiert das Magazin Kritiker. Auch bei der Debatte um die Verlegung des Nationalfeiertags habe sich der Regierungschef vom Finanzminister falsch informiert gefühlt. Für die Klausurtagung der SPD-Haushaltsexperten, die im Frühjahr stattfinden soll, habe sich bereits Parteichef Franz Müntefering angemeldet. Dies sei ein sicheres Zeichen für Eichels Entmachtung.

Für Eichels Nachfolge werden dem Magazin zufolge drei Namen gehandelt. Erster Kandidat wäre der ehemalige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau. Auch der schleswig-holsteinische Finanzminister Ralf Stegner ist im Gespräch. Schröders Favorit jedoch sei der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück. Voraussetzung für diese Nachfolgelösung allerdings wäre, dass Steinbrück die Landtagswahlen im Mai verliert, wie einst Hans Eichel in Hessen. (APA/dpa)

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