Spanien: Adoption in gleichgeschlechtlicher Ehe möglich

30. Dezember 2004, 19:45
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"Keine Gefahr für die Institution der Ehe, sondern Stärkung", so Vizeregierungschefin Fernandez

Madrid - Die spanische Regierung hat ein umstrittenes Gesetz über die Eheschließung von Homosexuellen verabschiedet. Die Regelung sieht vor, dass homosexuelle Paare nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren dürfen. "Das Gesetz bedeutet keine Gefahr für die Institution der Ehe, sondern eine Stärkung", sagte Vizeregierungschefin María Teresa Fernandez de la Vega am Donnerstag nach der Kabinettssitzung in Madrid.

Nach Niederlanden zweites EU-Land

Das Vorhaben sieht vor, dass Ehen homosexueller Paare mit heterosexuellen Ehen rechtlich in jeder Hinsicht gleichgestellt werden. In Europa gibt es eine solche Regelung bisher nur in den Niederlanden. In Belgien sind homosexuelle Eheschließungen ebenfalls legalisiert, allerdings ist über die Frage der Adoption von Kindern noch nicht entschieden worden. In Deutschland und den skandinavischen Ländern können homosexuelle Paare ihre Partnerschaft amtlich eintragen lassen, aber keine Kinder adoptieren. In Österreich gelten homosexuelle LebensgefährtInnen auch nach langjähriger PartnerInnenschaft rechtlich als Fremde. Dies hat vor allem im Erb- und Mietrecht, aber auch beim Besuchsrecht im Krankenhaus gravierende Auswirkungen.

Reaktionen

Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hatte bereits vor knapp drei Monaten einen Entwurf zu diesem Gesetz gebilligt. Nun verabschiedete sie den definitiven Text, der dem Parlament vorgelegt wird. Die konservative Volkspartei (PP) und die katholische Kirche lehnen das Vorhaben strikt ab. Die Kirche sieht darin eine Gefahr für die Familie als der Keimzelle der Gesellschaft. (APA)

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