Raus aus der Baby-Berufsfalle

31. Dezember 2004, 14:23
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Unterstützung bei Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten sind für die unter 35-Jährigen eine der wichtigsten Forderungen fürs private Glück.

Geht es nach VP-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, dann ist für junge Frauen (und Männer) in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Zukunft vor allem Eigenverantwortung gefragt. So zumindest formulierte sie es bei einer Pressekonferenz zum Jahreswechsel: Die Frauen bräuchten keine "Bevormundung und Befürsorgung durch den Staat".

Österreichs unter 35-Jährige sehen das anders. Im Rahmen der Metis-Zukunftsstudie wurden 2500 Österreicher in der Altersgruppe 15 bis 35 nach ihren Wünschen für ein gutes Privat- und Berufsleben ("Work-Life-Balance") gefragt. Das Ergebnis: Neben den klassischen Motiven wie glückliche Partnerschaft und persönliche Gesundheit stehen flexible Arbeitszeiten (78,3 Prozent) und Unterstützung bei Kinderbetreuung (72,3 Prozent) ganz vorne.

In den Fokusgruppen wurden diese Aspekte vertieft befragt, und auch dort zeigte sich: Die Balance zwischen Beruf und Familie gehört zu den zentralen Anliegen dieser Generation. Die jungen Österreich erwarten sich dabei sehr wohl Unterstützung von der Politik, vor allem bei der Schaffung von Kindergartenplätzen. Zitat eines Befragten: "Kinderbetreuungsplätze sind Mangelware. Das ist das größte Problem und wird nur stiefmütterlich behandelt." Ein anderer fordert, in fast sozialistischer Diktion, eine "langfristige Kinderbetreuungsplatzbewirtschaftung, abhängig von der Geburtenrate".

Laut einer Erhebung der Statistik Austria haben im Frühling 2004 18.000 Kinderbetreuungsplätze gefehlt. Allerdings wurde die Bundeshauptstadt nicht einbezogen. In einer Mikrozensus-Studie 2003 wurde ein weit höherer Bedarf (rund 48.000) angemeldet. Nach Angaben des Bildungsministeriums seien 10.000 zusätzliche Plätze im Schulbereich geschaffen worden.

Ebenfalls in den Fokusgruppen stark thematisiert - die geringe Familienorientierung von Unternehmen: "Unterschiedliche Lebenssituationen verlangen unterschiedliche Aufmerksamkeit für das familiäre Umfeld. Arbeitszeitmodelle wie Vollzeit, Teilzeit, Karenz sollen nach bestimmten Lebensphasen modelliert sein."

Das Kindergeld wird von den Befragten oft nur als "Tropfen auf den heißen Stein" empfunden. Zitat: "Die Förderungen sollten immer vor dem Hintegrund der Work-Life-Balance entwickelt und gesehen werden. Kindergeld allein macht noch niemanden glücklich." (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2004/1.1.2005/2.1.2005)

  • Infografik: Work-Life-Balance Treiber

    Infografik: Work-Life-Balance Treiber

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