Das Internet wird zur Hilfsorganisation

18. Jänner 2005, 15:11
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Das Internet ist bei der Flutkatastrophe in Südostasien zum globalen schwarzen Brett, zum Kondolenzbuch und zur effektiven Informationsquelle geworden

Angehörige verbreiten Suchanzeigen nach vermissten Personen. Touristen in den Katastrophengebieten senden an ihre Familien und Freunde die erleichternde E-Mail-Botschaft, dass sie mit dem Leben davongekommen sind. Menschen aus aller Welt drücken ihre Betroffenheit über das Unglück und Trauer um die Opfer aus. Spenden werden online übermittelt. Der Zugriff auf manche Websites hat so stark zugenommen, dass die Server den Verkehr kaum bewältigen können. Noch nie zuvor hat sich das Internet als ein so starkes weltumspannendes und Zusammenhalt bietendes Band bewiesen.

Webtagebücher beweisen unschlagbare Informationskraft

Die Webtagebücher, auch Blogs genannt, beweisen hierbei eine fast unschlagbare Informationskraft. Allen voran das "South-East Asia Earthquake and Tsunami"-Blog – kurz SEA-EAT oder Tsunamihelp. Es ist eines der jüngsten Beispiele, wie die Internetgemeinschaft in kurzer Zeit ein Freiwilligenhilfsnetz auf die Beine stellen kann.

Initiiert wurde es nur wenige Stunden nach der Flutkatastrophe am Sonntag von Peter Griffin, einem in Bombay lebenden Blogger. Ihm ging und geht es vor allem darum, eine Art Anlaufstelle für Hilfsangebote und Nachrichten für die Tsunamiopfer einzurichten.

100.000 Zugriffe auf Tsumani-Blog

Allein am Mittwoch konnte die nur wenige Tage alte Online-Informationsbörse mehr als 100.000 Zugriffe verzeichnen. Das ist eine außergewöhnlich große Zugriffsrate; 1000 Pageviews sind bei gefragten Blogs bereits beachtlich.

Mehr als 50 Tsunami-Autoren aus der gesamten südasiatischen Region speisen derzeit ihre neuesten Informationen in das Webtagebuch ein, zeigen Links auf, nennen hilfreiche Hotline-Telefonnummern für die Suche nach vermissten Angehörigen oder Firmenmitarbeitern in Indien, auf den Malediven, den Seychellen, auf Sri Lanka und in Thailand und helfen dabei, Fotos der Vermissten zu veröffentlichen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe 31.12.2004)

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