Zerzauste ÖSV-Adler nach dem Auftakt

30. Dezember 2004, 18:46
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Führung sieht keinen Grund die Köpfe hängen zu lassen - Innauer spricht von "Feuertaufe" für Trainerteam: "Bisserl Sand im Getriebe"

Oberstdorf - Ein einzelnes Weltcup-Springen is zwar nur eine Art Momentaufnahme, doch aus ÖSV-Sicht ist das Bild vom Auftakt zur 53. Vierschanzen-Tournee in Oberstdorf ziemlich "verwackelt" geraten. Mit den Rängen fünf, elf und 18 durch Martin Höllwarth, Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl landeten nur drei Springer in den Punkterängen, Mitfavorit Andreas Widhölzl musste die Gesamtwertung schon nach Oberstdorf abschreiben. Das Gefieder der ÖSV-Adler wurde ordentlich zerzaust, und das ausgerechnet im WM-Ort 2005.

"Der Level ist da"

Doch bei näherer Betrachtung und nach ersten Analysen seitens der Mannschaftsführung gibt es für die rot-weiß-rote Equipe keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. "Man darf als Trainer nicht zu viele Sachen in die einzelnen Sprünge hineininterpretieren, weil es einfach zu viele Unbekannte gibt. Aber der Level ist da, das hat man im ersten Durchgang gesehen", meinte Cheftrainer Alex Pointner nach seinem ersten Tournee-Bewerb in dieser Funktion.

Eines versprach "Pointex" schon für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen: "In der Tonart wird es sicher nicht weitergehen, ich bin sicher, dass wir uns erfangen." Nicht zu verleugnen ist aber, dass bei Widhölzl ein klarer Formverlust zu sehen ist und dass Morgenstern Probleme bei der Anfahrtsgeschwindigkeit hat.

Widhölzl wieder mit Problemen

Pointner hatte schon bei der Vorbereitung in Innsbruck bei Widhölzl technische Probleme bemerkt. "Zum ersten Mal seit der Technikumstellung geht es ihm jetzt ein bisserl schlechter. Und wenn man eingreifen muss, dann geht's nimmer so von der Hand." Bis Garmisch will er den Tiroler wieder auf Vordermann bringen. Abgesehen vom Resultat lobte er aber Widhölzl, weil dieser mit dem Aus mental und auch von der Körpersprache her weit besser umging als früher. "Er macht eine Persönlichkeitsentwicklung durch. Das ist ihm im Prinzip abgegangen, auch wie er sehr gut gesprungen ist, damit er der absolute Superstar wird."

Für die Gesamtwertung ist noch nicht Hopfen und Malz verloren, aber ein Janne Ahonen scheint derzeit unbezwingbar, obwohl er für ständige Beobachter in den einzelnen Springen gar nicht so überlegen scheint. Pointner will mit der Situation ruhig umgehen. "Ich werde mich hüten, irgendwelche Schnellschuss-Aktionen zu machen, weil das kann ganz in die falsche Richtung gehen. Es ist eine Herausforderung für mich und Widhölzl, da rauszukommen."

Trainer am Prüfstand

Auch Sportdirektor Toni Innauer sieht das Abschneiden nicht so tragisch. "In Summe gibt es bei jeder Tournee mal einen Bewerb, da kommst mit einem blauen Auge davon. Ich hoffe, das war's", meinte Innauer lachend. "Erstmals ist ein bisserl Sand im Getriebe aufgetaucht. Sie haben es ganz gut rumgekriegt, wenn ich ehrlich bin, hat es im Training noch schlechter ausgeschaut." Ein Widhölzl sei aber nicht aufzufangen gewesen. "Das ist für die Trainer eine erste Feuertaufe, weil es bisher immer schön aufwärts gegangen ist."

Dass das schlechte Resultat auf der WM-Schanze passiert ist, macht dem Sportdirektor kein Kopfzerbrechen. "Wir haben Entwicklungsmöglichkeiten beim Material. Wir sind zwar dabei, haben aber noch nicht den großen Wurf gemacht." Es handle sich dabei weniger um die Stoffe, sondern um die Schnitte. Außerdem sei man früher auch schon mit sehr, sehr guten Resultaten zu Titelkämpfen gefahren. "Und das war auch keine Garantie für ein gutes Abschneiden. Aber ich bin froh, dass wir Zeit haben, bis zur WM noch ein paar Sachen zu tun."

Tournee noch lange

Für die restliche Tournee ist aber freilich noch nicht alles gelaufen. Das bestätigt auch der derzeitige Fünfte Martin Höllwarth. "Ich habe eigentlich gute Sprünge gemacht, aber das Springen war auch vom Wind beeinflusst. Auch wenn es in der Gesamtwertung schon einen ordentlichen Rückstand gibt: Das Glück kann sich umdrehen, und dann sind 20, 30 Punkte gleich aufgeholt."

Pointner schlägt in die gleiche Kerbe und erwähnt das Beispiel Roar Ljökelsöy, der nach schwachem erstem Sprung im zweiten Durchgang bei guten Bedingungen mit 140 Metern vom 18. auf den zweiten Platz gesegelt ist. "Wir haben nach dem ersten Durchgang drei Leute unter den ersten sieben gehabt, springen wir das heim, hätte ich mir nicht wieder die ganze Nacht den Kopf zerbrechen müssen." (APA)

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    Martin Höllwarth holte wieder einmal die Kohlen aus dem Feuer.

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