Fazit Frauensachen 2004

30. Dezember 2004, 11:23
posten

Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor "Frauenproblem" - Frauenquote in oberen Etagen mickrig

Wien - 2005 bringt durch die neue Bewertung der Kindererziehungszeiten eine Verbesserung für Mütter. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nach wie vor ein "Frauenproblem": 97,4 Prozent der KindergeldbezieherInnen sind Frauen. Ein Mangel an Kinderbetreuungsplätzen herrscht nach wie vor: Laut Statistik Austria fehlen 18.000 Plätze - ohne Bundeshauptstadt Wien. Falls sie die Vereinbarung schaffen oder überhaupt auf Kinder verzichten, sind Frauen auch in Spitzenpositionen zu finden.

Bessere Bewertung der Kindererziehungszeiten

Die im heurigen Jahr beschlossene neue Bewertung der Kindererziehungszeiten wurde von der Regierung immer wieder als Errungenschaft für Frauen präsentiert. Diese Zeiten werden nun für die Pension mit dem Medianeinkommen der Frauen, das derzeit bei 1.350 Euro liegt, bewertet. Bisher mussten sich Eltern - im häufigsten Fall Mütter - mit dem Ausgleichszulagenrichtsatz in der Höhe von 653 Euro begnügen. Pensionsbegründend sind nun vier statt zwei Jahre der Kindererziehung. Eltern können nun aber auch die Pensionsansprüche während der Kindererziehungszeit bis zum siebenten Lebensjahr des Kindes freiwillig fair teilen.

Für die Kindererziehung sind nach wie vor vorwiegend Frauen zuständig und so haben vor allem sie mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu kämpfen. Zumindest sind derzeit nur 4.236 Männer bzw. 2,56 Prozent in Karenz. Gemäß einer Erhebung der Statistik Austria haben im Frühling 2004 18.000 Kinderbetreuungsplätze gefehlt. Allerdings wurde die Bundeshauptstadt nicht einbezogen. In einer Mikrozensus-Studie 2003 wurde ein weit höherer Bedarf (rund 48.000) angemeldet. Nach Angaben des Bildungsministeriums seien aber schon 10.000 zusätzliche Plätze im Schulbereich geschaffen worden.

Fristenregelung

Die Fristenregelung ist 30 Jahre alt und wurde 2004 wieder zum Streitthema: Die neue Landeshauptfrau von Salzburg, Gabi Burgstaller (S), ermöglicht nun aber nach monatelangen Diskussionen den Schwangerschaftsabbruch mit April 2005 auch an Salzburger Landesspitälern.

Drittel der Regierungsmitglieder weiblich

Frauen in Spitzenpositionen kommen zumindest in der Politik häufiger vor: Erstmals gibt es mit Liese Prokop (V) eine Frau an der Spitze des Innenressorts. Durch Karin Miklautsch (F) wurde diese Premiere auch im Justizministerium Realität. Mit der Angelobung von Prokop wurde überhaupt erstmalig der Frauenanteil in der Regierung auf ein Drittel erhöht. Im Nationalrat beträgt der Frauenanteil 34 Prozent. Der Regierung Schüssel II mit insgesamt 18 Regierungsmitgliedern gehören nun sechs Frauen an: neben Miklautsch und Prokop ist Ursula Plassnik (V) Außenministerin, Ursula Haubner (F) Staatssekretärin im Sozialressort und Maria Rauch-Kallat (V) agiert als Gesundheits- und Frauenministerin. Elisabeth Gehrer arbeitet schon seit 1995 als Bildungsministerin.

Nicht so rosig

Schlechter schaut es bei den Sozialpartnern und da vor allem bei der Arbeiterkammer und bei den Gewerkschaften aus: keine einzige Präsidentin ist auszumachen. Etwas besser, aber auch nicht berauschend schaut es in den obersten Etagen der Wirtschaft aus: Sieben bis acht Prozent der österreichischen WirtschaftschefInnen sind Frauen - laut einer Studie des "European Women's Management Development International Network Austria" (EWMP). Die Frauen sind bei den freien Berufen etablierter: 36 Prozent der WirtschaftsprüferInnen sind weiblich und damit ist dieser Berufsstand Spitzenreiter. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Falls sie Beruf _und_ Kinder zu managen schaffen, sind Frauen auch in Spitzenpositionen zu finden - oft geht dies nur unter Verzicht auf Kinder...
Share if you care.