Juschtschenko schlägt Timoschenko als Regierungschefin vor

30. Dezember 2004, 15:36
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Umstrittene Oppositionspolitikerin war von Dezember 1999 bis Jänner 2001 stellvertretende Ministerpräsidentin

Kiew - Viktor Juschtschenko, der laut dem vorläufigen Endergebnis die Präsidentschafts-Stichwahl in der Ukraine vom Sonntag gewonnen hat, will nach seiner Amtseinführung die umstrittene Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko als Regierungschefin vorschlagen. Das kündigte Juschtschenko am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax in Kiew an.

Er schränkte allerdings ein, dass Verhandlungen notwendig seien. Sollte keine Aussicht auf eine Mehrheit im Parlament bestehen, werde er eine andere Kandidatur bevorzugen. Auch Juschtschenkos Sprecherin Irina Geraschtschenko betonte, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei. Timoschenko war wiederholt als mögliche Kandidatin genannt worden. Sie gilt als die Organisatorin der Massenkundgebungen der Opposition nach der ersten Stichwahl am 21. November, die das Oberste Gericht schließlich für ungültig erklärte.

Timoschenko war von Dezember 1999 bis Jänner 2001 stellvertretende Ministerpräsidentin. Wegen als dubios geltender Energiegeschäfte in den 1990er Jahren ist die Politikerin in der Ukraine äußerst umstritten.

Timoschenko hatte in den Wochen der Massenproteste gegen das alte Regime und dessen Wahlfälschungen den radikalen Teil der Opposition angeführt. Sie hatte sich gegen den von Juschtschenko getragenen Kompromiss mit der alten Führung um Kutschma zur Beilegung der Staatskrise ausgesprochen.

Beobachter erwarten, dass Timoschenko als Regierungschefin für eine Umverteilung der Eigentumsverhältnisse in der politisch gespaltenen Ukraine eintreten würde. Sie ist Beobachtern zufolge vor allem im stark industrialisierten Osten des Landes, der Heimat der reichsten Industriellen, unbeliebt. Dort erhielt Juschtschenkos Gegenkandidat Viktor Janukowitsch die meisten Stimmen. Gegen Timoschenko läuft in Russland ein Verfahren wegen angeblicher Bestechung von ranghohen Militärs.

Die ukrainische Führung und tausende Menschen nahmen am Mittwoch in Kiew Abschied von dem unter rätselhaften Umständen getöteten Verkehrsminister Heorhij (Georgi) Kirpa. Er war am Montagabend tot aufgefunden worden. Die Justiz schließe neben Selbstmord andere Todesursachen nicht aus, sagte Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun. Zunächst waren Ermittlungen wegen Anstiftung zum Selbstmord eingeleitet worden. (APA/dpa)

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    Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko.

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