Schüssel ruft Tag der Trauer aus

30. Dezember 2004, 19:33
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Bundespräsident, Landespolitiker und Bischöfe für "Spenden statt Knaller"

Wien - Die Regierung hat für heute einen "Tag der Trauer" ausgerufen. Die Fahnen sollen im ganzen Land auf Halbmast hängen. Außerdem hat Bundeskanzler Schüssel dazu aufgerufen, heuer auf Silvesterböller zu verzichten und das Geld stattdessen zu spenden. Es solle ein "Feuerwerk der Menschlichkeit" geben.

Bundespräsident ruft zu Solidarität auf

"Wenn es ein bisschen weniger Sekt, Knallkörper und Luxus gibt, und mehr solidarisch gehandelt und gespendet werden kann, dann wäre das eine wunderbare Sache", rief Fischer alle Österreicher zur Solidarität auf. Angesichts der vielen Todesopfer zeigte sich Fischer "bestürzt und entsetzt".

"Spenden statt Knaller"

Auch Österreichs Bischöfe haben am Mittwoch angesichts der verheerenden Flutkatastrophe im Indischen Ozean an die Österreicher appelliert, zu Silvester auf den Kauf von Knallkörpern und Raketen zu verzichten und das Geld lieber für die Opfer des Seebebens in Asien zu spenden. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sagte: "Zeichen unserer Solidarität in dieser unvorstellbaren Not können nur das Gebet und die materielle Hilfe sein."

Gusenbauer: Teil des Budgets für Jubiläumsjahr 2005 spenden

SPÖ-Chef Gusenbauer schlug unterdessen der Regierung vor, einen Teil der für das Jubiläumsjahr 2005 vorgesehenen Budgetmittel den Flutopfern zu widmen.

Ein Viertel der veranschlagten Budgetmittel, das wären rund 6,5 Millionen Euro, will Gusenbauer für die Erdbebenopfer umwidmen. Es sei angebracht und sinnvoller, die schwierige Zeit des Wiederaufbaus in der Zweiten Republik mit einem "Akt der Humanität und Menschlichkeit" zu würdigen.

ÖGB und Wirtschaftskammer rufen zur Trauerminute auf

ÖGB und Wirtschaftskammer riefen die Österreicher zur Teilnahme an den Trauerkundgebungen für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien auf. Um 13.00 Uhr wurde eine Trauerminute abgehalten.

Politische Probleme

Aus der Krisenregion wurde am Mittwoch eine Gesamtopferzahl von rund 80.000 gemeldet, die UNO befürchtet, es könnten mehr als 100.000 Tote sein. Die Hilfsorganisationen bemühen sich um rasche Versorgung der Überlebenden, stoßen aber dabei zum Teil auf politische Probleme. Nach Angaben der WHO fehlt es bis zu fünf Millionen Menschen in den Region am Nötigsten. Die Hilfslieferungen laufen auf Hochtouren.

In Thailand und Sri Lanka sind inzwischen bereits 91 österreichische Helfer aktiv. Rund 1000 Touristen konnten bereits zurückgeholt werden. Bisher bestätigt ist der Tod von fünf Österreichern, für rund zwei Dutzend weitere Thailand-Urlauber herrsche "wenig Hoffnung", sagte Schüssel.

In Deutschland wurde Trauerbeflaggung angeordnet, nachdem sich der Tod von 26 deutschen Touristen bestätigt hatte; rund 1000 gelten noch als vermisst. (red, DER STANDARD Printausgabe 30.12.2004)

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    Verpackte Leichen liegen vor dem Sofitel-Magic-Lagoo-Hotel im thailändischen Khao Lak. Im Hotel wohnten hunderte Urlaubsgäste, darunter auch viele Österreicher

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