Viel mehr deutsche Tsunami-Opfer als angenommen

30. Dezember 2004, 14:33
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Hunderte Touristen in Thailand vermisst

Die Zahl der deutschen Flutopfer in Südasien ist wahrscheinlich weit höher als bisher angenommen. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer sagte am Dienstag in Berlin, dass man von einer dreistelligen Vermisstenzahl ausgehe. Die Berichte aus der Region seien erschreckend. "Wir müssen deshalb Schlimmes befürchten", erklärte Fischer.

Nach Angaben der deutschen Botschaft in Bangkok fielen der Welle mindestens zehn Deutsche zum Opfer. Sie seien auf der Insel Phuket und im Ferienort Khao Lak ums Leben gekommen.

Der Reiseveranstalter Thomas Cook vermisste in der Region Phuket noch 200 bis 300 Kunden. Viele Touristen hätten die Küste auf eigene Faust verlassen und seien ins Hinterland geflohen, sagte Unternehmenssprecher Asger Schubert. Einige Hotels seien zerstört, so dass die Urlauber gar nicht zur Kontaktaufnahme dorthin zurückkehren könnten. Der Reisekonzern TUI vermisste noch 72 Urlauber in Khao Lak.

Bild der Verwüstung

Das Gebiet um Khao Lak bot ein Bild der Verwüstung. "Es ist alles platt. Es ist wie nach einem Atombombenangriff", sagte der Deutsche Olaf Schomber, der in Khao Lak ein Reiseunternehmen betreibt und die Katastrophe nach eigenen Worten miterlebte. Die Wassermassen seien entlang des rund 30 Kilometer langen Strandabschnitts zwischen 300 Metern und einem Kilometer ins Landesinnere gedrungen und hätten Dutzende Hotels dem Erdboden gleichgemacht.

Der Tourist Karl Kalteka aus München berichtete von zahlreichen Todesopfern in Khao Lak: "Ich habe viele Kinder sterben sehen. Ich habe Eltern gesehen, die versucht haben, ihre Kinder festzuhalten, aber es war unmöglich", sagte er auf dem Flughafen von Phuket. Seine Freundin wird seit Sonntag vermisst. (APA/AP)

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