Erlebnis mit und ohne Fahrrad

11. Februar 2005, 16:11
8 Postings

Neuerungen muss man sich aus dem ÖBB-Kursbuch mühsam herausfiltern - Besonders für Radfahrer gibt es im neuen Plan einige Überraschungen

In jedem Katalog eines Verlages oder einer großen Buchhandlung sind Neuerscheinungen deutlich gekennzeichnet. Nicht so beim Kursbuch der ÖBB, dort muss der Kunde mühsam suchen, ob es eine neue Verbindung gibt oder eine alte stillschweigend gekappt wurde.

Die Stilllegung des Verkehrs zwischen Hohenruppersdorf und Gaweinsthal/ Brünnerstraße oder die Auflassung der Haltestelle Kahlenbergerdorf auf der Franz-Josefs-Bahn sowie die Kappung des Zugverkehrs der Strecke Leobersdorf-Hainfeld in Weißenbach-Neuhaus wären sicherlich extra erwähnenswert.

Vor allem auf die Radler, die sehr häufig die Bundesbahn frequentieren, wenn sie Streckentouren unternehmen, warten etliche, zum Teil gravierende Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. So sind die Radtramper sanft entschlafen und werden in einigen Destinationen offensichtlich durch Erlebniszüge ersetzt.

Kein Radtramper

Zwischen Wien und Passau verkehrt kein Radtramper mehr, der Erlebniszug startet nicht mehr im Franz-Josefs-Bahnhof, sondern auf dem Westbahnhof, und wird bis Plattling, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sogar bis Regensburg, verlängert.

Für den Radtramper Wachau springt nun der Erlebniszug Wachau ein, der in Wien-Süd startet und über die Wiener Vorortelinie - mit Halt in Ottakring - zur Franz-Josefs-Bahn und bis St. Valentin fährt. Der einstige Anschluss nach Passau aber ging verloren. Der ER 1850 Wien-Retz-Znaim, im Vorjahr noch Radtramper Weinviertel Retz, nimmt nunmehr jedoch keine Fahrräder mit.

Neu ist ein von Wien-Süd über Leobersdorf nach Lilienfeld verkehrender Erlebniszug Triestingtal, der in der Saison an Sonn- und Feiertagen fährt. Auf der Mühlkreisbahn und der Summerauer Bahn verkehrt je ein "Donau-Moldau-Raderlebnis", mit dem man allerdings die europäische Wasserscheide nicht erreicht. Wer ins Einzugsgebiet der Moldau möchte, muss noch ein gehöriges Stück bergauf strampeln.

Unter dem Namen "Erlebniszug Zauberberge" fahren gleich neun Züge, je vier auf der Gutensteiner und der Puchberger Bahn sowie einer auf der Strecke Wien- Mürzzuschlag. Und bei diesen wird die ÖBB ihrem Prinzip der konsequenten Inkonsequenz wieder gerecht: Während alle Erlebniszüge zwischen Wiener Neustadt und Gutenstein beziehungsweise Puchberg am Schneeberg Fahrräder transportieren, nimmt der nach Mürzzuschlag fahrende Erlebniszug keine Drahteseln mit. Sofern bei diesem Eilzug einer mit dem Radl einsteigen möchte, kann er was erleben.

Leider lässt sich aus keiner Unterlage oder Veröffentlichung der Österreichischen Bundesbahnen entnehmen, ob die Regelung weiter gilt, dass Inhaber von VorteilsCards sechs Radbeförderungen gratis haben, sofern sie auf einem - der immer weniger werdenden - besetzten Bahnhof eine entsprechende Karte verlangen.

Doch das Verschweigen von Benefizien gehört zur Tradition der Bahn. So verschweigt sie etwa auch die Gültigkeit der VorteilsCards bei der ÖBB-Wolfgangsee-Schifffahrt. (Bernd Orfer/DER STANDARD; Printausgabe, 29.12.2004)

Share if you care.