Wünsche für Pisa 2050

28. Dezember 2004, 19:01
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Freier Zugang zu allen Bildungsstufen und Chancengerechtigkeit - das sind die Forderungen der unter 35-Jährigen vor dem Bildungsgipfel am 14. Februar

Zuerst konnte es nicht schnell genug gehen, jetzt wird verschoben: der Bildungsreformdialog, von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) als politische Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden von Österreichs Schülern bei der Pisa-Studie ins Leben gerufen, findet nicht, wie ursprünglich angekündigt, Ende Jänner, sondern erst am 14. Februar statt.

"Unaufgeregt" soll diskutiert werden, wünscht sich die Ministerin. Doch das Thema Bildung emotionalisiert gerade die Generation der unter 35-Jährigen wie kein anderes, wie die Zukunftsstudie des Forschungsinstituts Metis zeigt. 2500 Österreicher im Alter von 15 bis 35 Jahren wurden zu ihren Vorstellungen für ein Bildungssystem der Zukunft, konkret des Jahres 2050, befragt.

Das Ergebnis: "Lebenslanges Lernen und Ausbildung als zentraler Erfolgsfaktor für den beruflichen Erfolg ist für das junge Österreich sehr wichtig", meint Studienleiter Harald Mahrer, "die junge Generation will, dass mehr Geld in diesen Bereich investiert wird und alle Barrieren abgebaut werden. Chancengerechtigkeit am Bildungsmarkt ist quer durch alle Schichten die zentrale Forderung."

Ganze 92 Prozent wünschen sich einen freien Zugang zu allen Bildungsstufen, 87,3 Prozent lehnen die von Schwarz-Blau eingeführten Studiengebühren ab. Das jüngst von Regierung wie SPÖ entdeckte Thema Eliteuniversität hat für mehr als die Hälfte der Befragten keine Priorität. Nur 42 Prozent sind dafür, die Begabtenförderung auszubauen.

Wichtig ist den jungen Österreichern hingegen die Frage der Ganztagsbetreuung in Schulen. Das Schlagwort "Gesamtschule", von der SPÖ immer wieder gefordert und von der ÖVP ebenso heftig abgelehnt, hat für sie jedoch kaum Bedeutung. Mahrer: "Das ist eine ideologische Begrifflichkeit, die bei den Befragten keine Rolle spielt."

Genau auf dieser Ebene gibt es momentan innerhalb der ÖVP eine rege Auseinandersetzung zwischen Gehrer und Nationalratspräsident Andreas Khol (VP). Khol hatte in Richtung Gehrer gefordert, nicht an den "Fetischen der Vergangenheit" wie Gesamtschule oder Ganztagsschule zu klammern. Gehrer nahm das "mit Erstaunen" zur Kenntnis - was übersetzt so viel heißt wie deutlich verärgert. Sie sei doch neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2004)

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