Von den verhängnisvollen Anmaßungen der Politik

8. Februar 2005, 16:08
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Ein Gastkommentar zum 30. Jahrestag der Nobelpreisverleihung an Friedrich A. Hayek - In hochkomplexen Groß­ge­sell­schaften sei politische Planung zum Scheitern verurteilt - Von Vincenz Liechtenstein

Vor 30 Jahren, am 10. Dezember 1974, erhielt Friedrich A. Hayek, der gebürtige Österreicher und einflussreichste Vertreter der "Österreichischen Schule der Ökonomie", den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für sein umfassendes sozialwissenschaftliches und interdisziplinäres Oeuvre. Eine von Hayeks zentralen Thesen lautet: In hochkomplexen modernen Großgesellschaften ist politische Planung zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Nur die sich unter den Bedingungen der Freiheit bildende "spontane Ordnung" in Gesellschaft und Markt ist in der Lage, das auf Millionen von Individuen verstreute Wissen für sozial sinnvolle Kooperation nutzbar zu machen.

Je komplexer soziale Strukturen werden, desto mehr privat ist nötig und desto weniger Staat ist möglich. Natürlich gefällt das "den Sozialisten in allen Parteien" (aus "Der Weg zur Knechtschaft") nicht. Und dennoch: Hayeks Theoreme bilden den Maßstab für wirkliche Reformpolitik. Ohne konsequente Redimensionierung des öffentlichen Sektors und In-Frage-Stellung des Primats des Politischen über das Private lassen sich unsere Probleme nicht mehr in den Griff bekommen. An einer (starken) Vereinfachung und (deutlichen) Abflachung des Steuersystems, (drastischen) Senkung der öffentlichen Ausgaben, (radikalen) Deregulierung und weiterer (echter) Privatisierung führt kein Weg vorbei. Wo dieses Reformprogramm konsequent und vor allem rasch durchgezogen wird, gibt es hervorragende Ergebnisse. Wo es nur halbherzig verfolgt wird oder auf halbem Weg stecken bleibt, dauert die Misere an: Keynes is dead and we are in the long run. Es ist klar: Eine solche Rosskur ist für die geschützten Bereiche und privilegierten Sonderinteressen schmerzhaft, aber sie ist unumgänglich. So genannte "dritte Wege" sind Irrwege, die die Agonie nur unnötig verlängern. Das Konzept eignet sich ebenso als Entschlackungstherapie für überbordende Wohlfahrtsstaatlichkeit als auch für die Transformation von Gesellschaften des real existierenden Sozialismus in freie Gesellschaften, die auf Eigenverantwortung und Leistung statt auf Gleichheit und Paternalismus beruhen.

Das wusste Ronald Reagan in den USA, der die Formel prägte: "Der Staat ist nicht die Lösung des Problems. Er ist das Problem." Das wusste Margaret Thatcher in England, die auf einem Parteitag Hayeks "Verfassung der Freiheit" auf das Rednerpult knallte und ihrer Partei zurief: "Das ist es, woran wir glauben." Das wissen auch Vaclav Klaus in Tschechien, Ivan Miklos in der Slowakei und der frühere estnische Ministerpräsident Mart Laar. In Neuseeland war es ein Sozialdemokrat, der den bürokratischen Interventionismus in die Knie zwang. Befragt nach seinem Erfolgsrezept, antwortete Roger Douglas, der Architekt des neuseeländischen Wirtschaftswunders: "Wir haben ja nur Privilegien abgeschafft." Schöner kann man Hayeks lebenslange Kritik an Klüngelpolitik und "Schacherdemokratie" nicht bestätigen. Hayek starb 1992 in Freiburg im Breisgau und wurde in Wien auf dem Neustifter Friedhof begraben. Die Stadt Wien widmet ihm ein unscheinbares "Ehrengrab ohne Inobhutnahme". (Der Standard, Printausgabe, 29.12.2004)

Autor: Dr. Vincenz Liechtenstein ist Forstwirt und Nationalratsabgeordneter der ÖVP
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    Hayek: Nur die sich unter den Bedingungen der Freiheit bildende "spontane Ordnung" in Gesellschaft und Markt ist in der Lage, das auf Millionen von Individuen verstreute Wissen für sozial sinnvolle Kooperation nutzbar zu machen.

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