Eine Reaktion auf 40 Jahre Arbeit

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    foto: apa/jungwirth

Der Grazer Architekt Günther Domenig erhält den Großen Österreichischen Staatspreis

Wien - Er sei ein "grübelnder Kompromissloser, ein Unbequemer" und "ein Feuergeist", meinte Kunststaatssekretär Franz Morak am Dienstag, als er den Grazer Architekten Günther Domenig als diesjährigen Kunst-Staatspreisträger bekannt gab.

Der Architekt der vor Kurzem eröffneten prominenten T-Mobile-Zentrale an der Wiener Südosttangente und des Steinhauses am Ossiachersee hatte erst vergangenen Sommer anlässlich seines 70. Geburtstags das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erhalten und war im Rahmen der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden.

Endlich auch Geld 

Zum STANDARD meinte er nun, der Große Österreichische Staatspreis sei "eine Reaktion auf 40 Jahre Arbeit" und endlich auch ein Preis, der mit Geld verknüpft sei. Die Auszeichnung ist schließlich mit 30.000 Euro dotiert.

Domenig ist einer der radikalsten und eigenwilligsten heimischen Architekten und gilt als wichtiger Wegbereiter der aktuellen Architekturszene. Seine Arbeiten sind expressiv, skulptural, unverkennbar. Der Durchbruch gelang dem Klagenfurter, der in Graz lebt, Ende der 70er-Jahre mit einem nicht nur für die damalige Zeit radikalen Gebäude für die Z-Bank in der Wiener Favoritenstraße, das mit einer wüst aufgerissenen Metallfassade und provokant offen liegenden Installationselementen augenblicklich für Aufregung und internationale Beachtung sorgte.

Projekt Spielberg 

Sowohl dieses als auch sein aktuellstes Projekt - die Planungen für Dieter Mateschitz' Motorsportzentrum in Spielberg - sind gefährdet: Die nunmehr zur BA-CA gehörende Bankfiliale wurde vergangenen Sommer geschlossen, um eine mögliche Nachnutzung kümmert sich im Auftrag der Bank nun der Architekturfachmann Walter Chramosta.

Wie es in Spielberg weitergeht, weiß Domenig selbst nicht. Die 40 Leute, die in seinem Büro an dem 700-Millionen-Euro-Unterfangen arbeiteten, sind derzeit noch beurlaubt. Doch ab Jänner wird eine "etwas abgemagerte, schlankere Variante", so Domenig, in Angriff genommen: "Wir können jederzeit weitermachen, die größte Gefahr besteht allerdings darin, dass Mateschitz die Lust an dem Projekt verliert. Wir bereiten jetzt ein reduziertes Projekt auf, das sicher nicht umweltfeindlich sein wird."

Der Staatspreis ist die wichtigste Auszeichnung, die die Republik jährlich an Künstler vergibt. Er wird in den Sparten Literatur, Musik, bildende Kunst und Architektur für das Lebenswerk verliehen, im Vorjahr ging die Auszeichnung an den oberösterreichischen Maler Siegfried Anzinger. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählten unter anderen Coop Himmelb(l)au, Günter Brus, Ilse Aichinger, Wilhelm Holzbauer und Gert Jonke. (Ute Woltron/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 12. 2004)

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