Hilfsorganisationen vor fast unlösbaren Aufgaben

30. Dezember 2004, 21:17
2 Postings

Große Finanzlücke - Indonesier: "Die ganze Regierung schläft"

Angesichts des gewaltigen Ausmaßes der Flut- und Erdbebenkatastrophe in zahlreichen Ländern Südasiens stehen die Hilfsorganisationen vor einer fast unlösbaren Aufgabe. In allen Staaten wird zeitgleich dringende Hilfe benötigt, um die Tausenden von Toten zu bergen, die Versorgung der Überlebenden zu sichern und den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Die Vereinten Nationen sprechen von einer beispiellosen Naturkatastrophe.

"Das Ausmaß der Katastrophe ist unglaublich", sagte ein Sprecher des Verbandes des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds am Dienstag. Der Verband hatte zunächst um Soforthilfe in Höhe von rund fünf Millionen Euro gebeten, benötigt dem Sprecher zufolge jedoch möglicherweise mehr als drei Mal so viel. "Mit den ersten Experten an Ort und Stelle wird klar, dass es eine große Finanzlücke gibt, daher wird unser Appell wohl sehr bald überarbeitet."

Hilfe trifft extrem langsam ein

Die internationale Gemeinschaft hat bereits Summen in Millionenhöhe bereitgestellt. Die Europäische Union (EU) erwägt, ihre Hilfe von drei Millionen Euro aufzustocken, die USA haben 15 Millionen Dollar (rund elf Millionen Euro) zugesagt und Japan etwa die doppelte Summe.

In den Überschwemmungsgebieten klagen viele Überlebende, dass die Hilfe zu langsam eintrifft. Im indonesischen Banda Aceh stehen verängstigte und verärgerte Menschen vor den wenigen geöffneten Geschäften Schlange. Die Geschäfte werden von Soldaten bewacht. "Wo ist die Hilfe? Da ist nichts. Die ganze Regierung schläft", schimpft ein 28-jähriger Bewohner vor einem Geschäft.

Besonders für Kinder Lage sehr kritisch

"Hunderttausende Menschen haben am Sonntag in den Flutwellen um ihr Leben gekämpft. Jetzt müssen wir uns darum kümmern, dass sie auch hinterher überleben", sagt ein Sprecher der Kinderhilfsorganisation UNICEF. "Wir müssen in all diesen Ländern vor allem sauberes Trinkwasser bereitstellen und die Ausbreitung von Seuchen verhindern", fügt er hinzu. Insbesondere für die zahlreichen Kinder in dem Katastrophengebiet seien die nächsten Tage kritisch.

Mehrere asiatische Staaten haben Marineschiffe mit Hilfsgütern in die Katastrophengebiete entsandt. In Thailand riefen die Behörden zu dringend benötigten Blutspenden auf. Ein Schiff der thailändischen Marine mit einem OP-Saal an Bord war auf dem Weg zur Urlaubsinsel Phuket, wo mehr als 200 Menschen starben, darunter auch Touristen. An der Westküste Thailands operierten Ärzte in Not-Lazaretten die Verletzten. Viele Opfer haben Knochenbrüche und Schnittwunden durch von den Fluten mitgerissene Teile erlitten. (APA/Reuters)

Share if you care.