Salzburger Gebietskrankenkasse: Änderungen komplizieren Verwaltung

29. Dezember 2004, 20:34
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Obmann befürchtet "Zwei-Klassen-Gesellschaft" im Versorgungsbereich

Salzburg - Durch die Anhebung des Krankenversicherungsbeitrages, der Höchstbeitragsgrundlage sowie der Rezeptgebühr nimmt die Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) im Jahr 2005 rund zehn Mio. Euro mehr ein. Diese Mehreinnahmen dienen zur Deckung des Abganges, der 2005 bei einem Gesamtbudget von 500 Mio. Euro rund 24 Mio. Euro beträgt. Allerdings verfügt die SGKK über Rücklagen von 70 Mio. Euro, stellte der Direktor der SGKK, Harald Seiss, am Dienstag bei einem Pressegespräch fest. Durch die Änderungen ab 1.1.2005 werde die Verwaltung nicht vereinfacht, sondern komplizierter, beklagte zudem der SGKK-Direktor. Seiss bedauerte, dass die Gesetze "sehr schnell" gemacht und erst am 30.12. verlautbart werden, was "eine geordnete Verwaltung" erschwert.

Solidarbeitrag

"Wir sind eine gesunde Kasse", aber die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben klaffe immer mehr auseinander, sagte Seiss. Die SGKK fände einen "gerechten Solidarbeitrag für den Hauptverband o.k.", aber keineswegs dürfe es so sein, dass die "gesunden Kassen zur Kasse gebeten werden", sagte Seiss. Der Direktor befürchtet, dass die Quote an den Ausgleichsfonds zum Beispiel von zwei auf fünf Prozent angehoben werde und der Fall eintrete, dass "wir nur einzahlen und nichts retour bekommen". Es sei verständlich, dass man begehrliche Blicke auf Vorarlberg und Salzburg werfe.

Vom Gesamtbudget von 500 Mio. Euro würden ein Viertel auf die Ärzte, ein Viertel auf die Krankenanstalten und ein weiteres Viertel auf die Medikamente entfallen, erläuterte Obmann Siegfried Schluckner. Durch die neuen Regelungen befürchtet der Obmann, dass sich Gesundheit einmal nur mehr die Wohlhabenderen leisten können. "Im Versorgungsbereich entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft", so Schluckner.

"Das Rezept soll laufen"

Ab 1.1.2005 gibt es für Versicherte keine Chefarztpflicht für Medikamente. Ab dem Zeitpunkt der Einführung der e-Card ab Mai in der Stadt Salzburg und bis Ende des Jahres im ganzen Bundeslandes soll das Motto "das Rezept soll laufen und nicht der Patient" lauten - das heißt, ein Arzt schickt das Rezept direkt zum ärztlichen Dienst der Kasse und innerhalb von 30 Minuten bekommt dann der Arzt die Rückmeldung. Obwohl kein zusätzliches Personal geplant ist, zeigten sich der Direktor und Obmann zuversichtlich, dass ein reibungsloser Ablauf gegeben sein wird. Außerdem würden die Ärzte nachträglich kontrolliert.

Seiss betonte, dass die Chefarztpflicht nur für Medikamente aufgehoben sei, nicht aber für die Bewilligung aller anderen Leistungen. Besonders betroffen zeigte sich der SGKK-Direktor darüber, dass in der Liste der nichterstattungsfähigen Heilmittel vor allem für Salzburg die Homöopathika ins Gewicht fallen. "Salzburg war in der Bewilligung von homöopathischen Mitteln Vorreiter und Spitzenreiter in Österreich. Weiters finden sich in dieser Liste Enzympräparate, Misteltherapie und Hyaloronsäure und Viagra", erläuterte Seiss. (APA)

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