Einsteins ungewöhnliche Karriere

28. Dezember 2004, 12:20
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In der Schule galt er nur als mittelmäßig, doch seine Theorien sind bis heute gültig: Albert Einsteins Aufstieg ist unvergleichlich

Wien - Nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht und auf Grund seiner bis heute durchwegs gültigen Theorien war die Karriere des Physikers Albert Einstein (1879-1955) außergewöhnlich. Auch sein formaler Werdegang vom Autoritäten ablehnenden Schüler über einen "Experten III. Klasse" beim Schweizer Patentamt in Bern bis zum Ordinarius und Nobelpreisträger war kein alltäglicher.

Autoritäten abgelehnt

Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm (Deutschland) geboren, seine Eltern Hermann und Pauline waren Kleinunternehmer. Aufgewachsen ist er in München, dort besuchte er auch Volksschule und Gymnasium. Über Einsteins schulische Leistungen gibt es widersprüchliche Aussagen. Die immer wieder geäußerte Behauptung, er sei ein langsamer, schlechter Schüler gewesen, stimmt teilweise und dürfte auf seine Ablehnung von Autoritäten zurückzuführen sein und auf seinen Unwillen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihn nicht wirklich interessierten.

Belegt ist, dass Einstein den ersten Anlauf zur Hochschulreife am Münchner Gymnasium abbrach. Statt dessen versuchte er - nachdem seine Familie nach Mailand übersiedelt war - in die Eidgenössische Polytechnische Schule - der späteren Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) - in Zürich zu kommen, bestand 1895 aber die Aufnahmeprüfung nicht. So blieb ihm nichts anderes übrig, als es doch wieder in einem Gymnasium mit der Hochschulreife zu versuchen. An der Kantonschule Aarau (Schweiz) gelang ihm 1896 der Abschluss schließlich und zwar mit durchschnittlich durchaus gutem Erfolg.

Erster Job am Berner Patentamt

Damit war der Weg für ein Studium an der Polytechnischen Schule in Zürich frei, 1900 erhielt er ein Diplom eines Fachlehrers für Mathematik und Physik. Sein erster Job am Berner Patentamt ernährte ihn, zumal er ab Jänner 1903 für zwei sorgen musste. Er heiratete seine Kommilitonin Mileva Maric, mit der er zwei Söhne hatte, Hans Albert und Eduard. Laut einem Einstein-Biografen soll der Ehe auch ein Kind - Lieserl - voran gegangen sein, dessen weiteres Schicksal unklar ist.

Nobelpreis für Lichtquantenhypothese

In seiner Freizeit musste der Physiker aber schon intensiv wissenschaftlich gearbeitet haben. 1905 veröffentlichte der in Wissenschafterkreisen anfangs völlig Unbekannte gleich mehrere Arbeiten, die allesamt bis heute als bahnbrechend angesehen werden. Die erste Publikation beschäftigte sich mit der so genannten Lichtquantenhypothese, also der bis heute gültigen Vorstellung, dass Licht sich bisweilen so verhält, als bestünde es aus einzelnen Teilchen - Photonen. Für diese Leistungen - und nicht, wie man meinen könnte, für die bekanntere Relativitätstheorie - wurde Einstein 1921 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

In einer weiteren Abhandlung erbrachte Einstein in seinem "annus mirabilis" 1905 einen theoretischen Beweis für die damals noch umstrittene Atom-Theorie. In der dritten Arbeit schließlich legte der Physiker den Grundstein für seine - später als Spezielle Relativitätstheorie bezeichnete - Überlegungen, wonach weder Raum und Zeit noch Materie und Energie unabhängig von einander existieren. Die einzig unveränderbare Größe des Universums ist dagegen die Lichtgeschwindigkeit. Der Zusammenhang zwischen Energie und Masse ist in der auch über die Fachwelt hinaus bekannten Formel "e=mc2" dargelegt (Energie entspricht dem Produkt aus Masse und dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit).

Abhandlung "Zur Allgemeinen Relativitätstheorie"

1915 erschien dann die Abhandlung "Zur Allgemeinen Relativitätstheorie". Obwohl die Konsequenzen der beiden Theorien recht unterschiedlich sind, ist die Allgemeine im gewissen Sinne eine Erweiterung der Speziellen Theorie. Während es in der älteren ausschließlich um die Dimensionen Raum und Zeit - als neue Einheit "Raumzeit" - geht, kam nun der Aspekt der Masse dazu. Konsequenzen sind etwa die Aussagen, dass sich Raum und Zeit um massereiche Objekt krümmen oder anschaulicher: dass ein Lichtstrahl von einem massereichen Objekt, etwa einem Stern, abgelenkt wird. 1919 wurde das vom Theoretiker Einstein vorhergesagte Phänomen während einer Sonnenfinsternis bestätigt. Tatsächlich wird das von Sternen kommende Licht von der Masse unserer Sonne beeinflusst.

Jobmäßig dauerte es nach den ersten Aufsehen erregenden Publikationen 1905 nicht mehr allzu lange, bis sich Einstein auch die universitären Türen öffneten. Er promovierte (1905) und habilitierte sich an der Universität Zürich, 1909 erhielt er eine Stelle als außerordentlicher Professor für theoretische Physik. In den darauf folgenden Jahren ging es Schlag auf Schlag: 1911 nahm er einen Ruf als Ordinarius an die Deutsche Universität Prag an, nur eineinhalb Jahre später ging es zurück nach Zürich, diesmal an die ETH.

Mit einer Berufung an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin 1914 endeten die - wissenschaftlich äußerst produktiven - Wanderjahre des Physikers vorläufig. Dafür gab es in Folge private Veränderungen, seine Ehe mit Mileva zerrüttete sich, 1919 folgte die Scheidung. Bald darauf heiratete er seine Cousine Elsa, die zwei Töchter - Ilse und Margot - mit in die Ehe brachte. Auch diese Ehe scheiterte.

Flucht vor den Nazis

1933 floh Einstein wegen seiner jüdischen Abstammung vor den Nationalsozialisten in die USA und nahm eine Professur in Princeton an. Er hat Deutschland nie mehr betreten. Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges riet der erklärte Pazifist Einstein US-Präsident Franklin D. Roosevelt zur Entwicklung einer Atombombe. Der Physiker rechtfertigte sich mit der Befürchtung, dass die Nazis ebenfalls an der Bombe arbeiteten und mit allen Mitteln gestoppt werden müssten. An der Entwicklung der Bombe selbst nahm er direkt nicht teil, er skizzierte allerdings eine Möglichkeit, wie Uran angereichert und somit bombenfähig gemacht werden kann.

Einstein besaß im Laufe seines Lebens mehrere Staatsbürgerschaften. Als Deutscher geboren, legte er die Staatsbürgerschaft 1896 nieder und blieb fünf Jahre staatenlos. Am längsten besaß er die Bürgerrechte der Schweiz, nämlich von 1901 bis zu seinem Lebensende. 1911 und 1912 war er als Professor in Prag zusätzlich österreichischer Staatsbürger, von 1914 bis 1933 auch wieder Deutscher und ab 1940 Amerikaner. Einstein starb am 18. April 1955 in Princeton. (APA)

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    Archivbild von Albert Einstein, des aus Deutschland stammenden Physikers und Schöpfers der Relativitaetstheorie. Er erhielt 1921 den Physiknobelpreis für die Anwendung der Quantentheorie und die Erklärung des Photoeffekts.

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