BitTorrent bereitet Hollywood-Managern Kopfschmerzen

7. Februar 2005, 14:38
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Steigende Popularität dank hoher Geschwindigkeit und großer Effizienz - "Die vielleicht beste technische Lösung"

Bram Cohen hat nichts gegen die US-Filmindustrie. Aber das von ihm entwickelte Programm BitTorrent bereitet den Hollywood-Managern einige Kopfschmerzen. Denn damit werden auch illegal Filme im Internet getauscht. Und das in wachsendem Maße. Im Unterschied zu anderen Tauschprogrammen geht dies bei BitTorrent umso schneller, je mehr Personen daran beteiligt sind.

Wachstum

Wegen seiner Geschwindigkeit und Effizienz hat BitTorrent ständig an Popularität gewonnen, nachdem die Musikindustrie im vergangenen Jahr verstärkt gegen die Nutzer von Tauschprogrammen wie Kazaa, Grokster und Morpheus vorgegangen ist. Das Programm sei inzwischen für die Hälfte der Datenmenge im File-Sharing verantwortlich, erklärte Andrew Parker, Cheftechniker der britischen Firma CacheLogic.

Bedrohlich

"BitTorrent ist eine besondere Bedrohung, weil es die vielleicht beste Technik ist, großen Datenmengen wie bei Filmen zu tauschen", erklärte John Malcom, der beim Verband der US-Filmindustrie (MPAA) für den Kampf gegen Raubkopierer verantwortlich ist.

Ausgetrickst

Cohen schuf BitTorrent 2001, als er gerade nach dem Dot-Com-Crash arbeitslos geworden war. Es sei ihm darum gegangen, dass Computernutzer möglichst leicht Daten online tauschen können, sagte der 29-Jährige. Bisher hat sich BitTorrent als resistent gegen die üblichen Gegenmaßnahmen erwiesen, welche die Musikindustrie gegen anderen Tauschprogramme einsetzte. Dazu gehört das "File-Spoofing", bei dem fehlerhafte oder auch leere Dateien in Umlauf gebracht werden, um die Teilnehmer an Tauschbörsen zu frustieren. Spoofing sei bei BitTorrent sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, erklärte Mark Ishikawa, Chef der Firma BayTSP. Das Programm sei dagegen praktisch immun.

Suche

Bei Programmen wie Kazaa und Morpheus schalten die Nutzer ihre PCs zu Netzwerken zusammen, eine Suchmaschine zeigt dann, welche Dateien auf anderen Computern liegen. Hier ist es relativ leicht, gefälschte Dateien unterzubringen. Bei BitTorrent hingegen gibt es keine ganzen Dateien. Das Programm, zu dem es inzwischen auch schon einige Alternativen und Weiterentwicklungen gibt, sucht nach so genannten Torrent- oder Seed-Files, die angeben, wo Teile der gesuchten Datei zu finden sind. Das gilt auch für die eigenen, schon heruntergeladenen Dateiteile, die wieder anderen Nutzern angeboten und zu ihnen übermittelt werden. Bei BitTorrent gehörten Nehmen und Geben untrennbar zusammen, heißt es dazu auf einer Web-Site. Je mehr Nutzer Interesse an einer Datei haben, um so schneller geht es.

Tracker

Einige der BitTorrent-Web-Sites, wie zum Beispiel SuprNova.org, aktualisieren täglich ihre Liste mit derzeit angebotenen Dateien. Auf SuprNova fanden sich kürzlich auch Filme wie "Van Helsing" und "Wimbledon", was erst gegen Ende des Jahres auf DVD erscheinen sollte. Nach zahlreichen Klagen wurde SuprNova.org jetzt geschlossen.

Alternativen

Zu den Weiterentwicklungen von BitTorrent gehört Blog Torrent. Dieses Programm ist spezialisiert auf die Verbreitung von Videos. Ziel sei es, eine Plattform für unabhängige Filme zu bieten, sagte Nicholas Reville vom Musikverband Downhill Battle: "Die Bandbreite war bisher das große Problem, BitTorrent hat es gelöst." Bisher gab es keine Klagen von Seiten der US-Unterhaltungsindustrie, allerdings Warnungen. Dabei sei es um ein Computerspiel gegangen, dass mit BitTorrent in Umlauf gebracht worden sei. "Da hat jemand etwas mit BitTorrent gemacht, von dem ich nichts wusste", sagt Cohen. "Es wurde mit keinem Rechner gemacht, auf den ich Zugriff habe - was soll ich da tun?" (APA)

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