46 Länder strahlen das Neujahrskonzert 2005 aus

29. Dezember 2004, 12:34
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Für Dirigent Lorin Maazel eine Art Jubiläum: 1980 schwang er erstmals den postsilvestrigen Taktstock

Wien - Das Neujahrskonzert 2005 der Wiener Philharmoniker ist wie jedes Jahr ein musikalischer Gruß an die Welt - und heuer im Besonderen ein Geschenk an ihn: Lorin Maazel, mit elf Auftritten der zweithäufigste Dirigent des Neujahrskonzertes, feiert am 1. Jänner sein "Silbernes Neujahrskonzert"-Jubiläum. Er hatte vor einem Vierteljahrhundert, am 1. Jänner 1980, erstmals den musikalischen Jahresauftakt im Musikverein dirigiert. Und am 6. März wird der 1930 als Sohn amerikanischer Eltern in Paris geborene Maazel 75 Jahre alt - "viele Gründe sich zu freuen", wie der Dirigent angesichts des Neujahrskonzerts meinte.

Oftmaliger Einsatz

Dabei war Maazel heuer zu Jahresbeginn beim Neujahrskonzert-Wettstreit Italien-Österreich noch auf der anderen Seite: Er dirigierte am 1. Jänner 2004 ein Konzert im Venezianischen Theater La Fenice, das die italienische öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI statt des Wiener Neujahrskonzerts übertrug, womit sie unter Zuseherprotesten mit einer 30-jährigen Tradition gebrochen hat.

Doch der intensiven Beziehung des Dirigenten zu den "Wienern", deren Ehrenmitglied er seit 2002 ist, hat das keinen Abbruch getan. Maazel kann seiner langen Liste an Neujahrskonzerten, die er schon 1980 bis 1986, 1994, 1996 und 1999 dirigierte, auch die Jahreszahl 2005 hinzufügen. Und diesem 25-Jahr-Jubiläum Maazels kann eine neue Rekordzahl an Ländern zusehen: Insgesamt 46 Länder übertragen das Konzert heuer live, teilte der ORF mit.

Werdegang

Das herausragende musikalische Können des 1930 in Paris geborenen und bald zum "Wunderkind" avancierten Sohnes amerikanischer Eltern ist unbestritten. Maazel, dessen Großvater als Erster Geiger an der "Met" Karriere gemacht hatte und dessen Eltern 1932 in die USA zurückgekehrt waren, verfügt über eine musische Dreifachbegabung: als Virtuose auf der Violine, als Star unter den Dirigenten der Gegenwart und als beachteter Komponist. Zusätzlich spricht er mehrere Sprachen und ist als Kosmopolit in allen Konzertsälen der Welt daheim. "Die humane Qualität der Kunst ist für mich das Wichtigste" - mit dieser Botschaft prägte Maazel über Jahrzehnte hinweg die internationale Musiklandschaft.

Mit 30 Jahren debütierte Lorin Maazel 1960 als erster Amerikaner und jüngster Dirigent in Bayreuth mit Richard Wagners "Lohengrin". Zwei Jahre später gab er seine erste Vorstellung an der New Yorker Metropolitan Oper (Met) mit Mozarts "Don Giovanni" und feierte im gleichen Jahr seinen Einstand als Dirigent bei den Salzburger Festspielen.

Sein steiler Weg in die Höhen der Musikwelt führte ihn als Generalmusikdirektor an die Deutsche Oper Berlin (1965 bis 1971), als Chefdirigent des New Philharmonia Orchestra nach London (1970 bis 1972), als Chef des Cleveland Orchestra (1972 bis 1982) in die USA und als Direktor der Wiener Staatsoper (1982 bis 1984) nach Wien. Weitere Stationen waren der Posten eines Musikdirektors beim Orchestre National de France (1988 bis 1990), des Chefdirigenten des Pittsburgh Symphony Orchestra (1988 bis 1996) und des Chefdirigenten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (1993-2002). Das für vergangenen September geplante Opernfestival "Carmen in Sevilla" musste Maazel sehr kurzfristig wegen einer Augenoperation absagen. (APA)

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