Jugend ruft nach Flat Tax

28. Dezember 2004, 18:52
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Die unter 35-Jährigen wollen weniger Abgaben zahlen als ihre Eltern, im Gegenzug soll Kapital höher besteuert werden

Die Generation der unter 35-Jährigen ist nicht nur skeptisch gegenüber der österreichischen Politik, sondern auch gegenüber ihrem am deutlichsten spürbaren Modul: dem heimischen Steuersystem.

Gleiche Steuern für alle

Nach ihren Wünschen an ein Steuersystem der Zukunft im Rahmen der Metis-Zukunftsstudie befragt, steht an erster Stelle, nicht weiter verwunderlich, "Steuern senken". Es folgen: Kapital nicht vor Arbeitskraft begünstigen (88 Prozent), kleine Haushalte entlasten (84 Prozent) und Steuersystem vereinfachen (80 Prozent). Und offenbar als Konsequenz aus all dem unterstützen 62 Prozent der Befragten eine Forderung, die in Österreich bislang nur von der FPÖ erhoben wurde: die Einführung der Flat Tax.

"Das Konzept der Flat Tax schaut auf den ersten Blick eben bestechend aus", meint ÖVP-Finanzsprecher Günther Stummvoll (61), "aber die politische Wahrheit ist: Je mehr ich versuche, ein Steuersystem gerechter zu machen, desto komplizierter wird es."

"Das verärgert"

"Die Flat Tax ist offenbar ein Symbol für Steuerreduzierung und Steuererleichterung", versucht Peter Lehner (35) von der Jungen Wirtschaft Österreich, der Jungunternehmervertretung der Wirtschaftskammer, die Faszination für die Flat Tax unter seinen Altersgenossen zu erklären.

Nachsatz: "Ein Steuersatz für alle klingt auch nach Gerechtigkeit. Viele junge Erwachsene erleben, dass der Schritt in die Selbständigkeit oder ins Gewerbe mit vielen Hürden verbunden ist. Großkonzernen, die in Österreich investieren wollen, wird aber der rote Teppich ausgerollt. Das verärgert."

Plädoyer für KMU

Der nachvollziehbare Wunsch der Befragten: auch Klein- und Mittelbetriebe, deren Kapital nicht so mobil ist, sollen vom Staat belohnt werden. So sind 70 Prozent der 2500 Befragten der Metis-Zukunftsstudie gegen Steuergeschenke an Konzerne, 71 Prozent wünschen sich mehr Steuergerechtigkeit, etwa bei der Besteuerung von Stiftungen.

"Am Ende bleibt weniger

Steuern vereinfachen und Steuern runter, lautet also der Hauptwunsch der unter 35-Jährigen. Finanzminister Karl- Heinz Grassers "größte Steuerentlastung aller Zeiten" scheint auch diese Generation nicht zu überzeugen. Zitat aus der Umfrage: "Die von der Politik verkauften Entlastungen werden durch neue Abgaben- oder Preiserhöhungen wieder mehr als verschlungen. Am Ende bleibt noch weniger." (Barbara Tóth, DER STANDARD Printausgabe, 28.12.2004)

Die "größte Steuerentlastung aller Zeiten" (© KHG) ist den unter 35-Jährigen offenbar nicht genug: 62 Prozent wünschen sich die Einführung der Flat Tax.
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    Gleiche Steuern für alle, aber weniger Geld für die Konzerne: die Steuerwünsche der unter 35-Jährigen

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    grafik: der standard, metis
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