Knackpunkt Kryvorizh-Stahl

29. Dezember 2004, 17:40
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Privatisierung des Metallurgie-Giganten sorgt für stetigen Ärger

Kiew - Einer der größten Knackpunkte mit den politischen Gegnern ist ein wirtschaftlicher. Juschtschenko rangelt um einen Weg aus dem Privatisierungsskandal des Metallurgie-Giganten Kryvorizh-Stahl. Janukowitsch hatte als Premier vor den Wahlen die Mindestlöhne und die Pensionen frühzeitig und schnell angehoben. Zu ihrer Finanzierung, vor allem angesichts der näher rückenden Präsidentschaftswahlen, wurden Privatisierungen forciert. Als Startpreis für die ausgestellten 93 Prozent des Leckerbissens Kryvorizh-Stahl wurde seinerzeit 3,8 Milliarden Griwna (785 Millionen Dollar) ausgerufen.

Mit 880 Millionen Dollar weit unter Marktwert hat dann ein neu gegründetes Konsortium von Kutschmas Schwiegersohn Viktor Pintschuk (43,75 Prozent) und dem Donezker Paten Rinat Achmetow (56,25 Prozent), als dessen politischer Arm Janukowitsch agiert, den Zuschlag erhalten. Pintschuk, Besitzer des Röhrenunternehmens Interpipe, gilt als zweitreichster Ukrainer, der Stahl- und Kohlebaron Achmetow mit seinem Imperium System-Capital-Management als reichster.

Die beiden erhielten den Konzern, obwohl die internationale Holding LNM Group 1,65 Milliarden Dollar und die russische Severstal-Group 1,2 Milliarden geboten hatten, was dem Marktwert des Unternehmens, das aufgrund der günstigen Weltkonjunktur eine Goldgrube ist, schon eher entspricht. Im Vorjahr schloss Kryvorizh-Stahl mit 180 Millionen Dollar Reingewinn, womit man mit 29,5 Prozent über dem Jahr 2002 lag.

Der Deal hatte massiven Ärger im Land erregt. Juschtschenko hatte schon im Vorfeld gewarnt und generell angekündigt, die politisch motivierten Privatisierungen anfechten zu lassen. "Wenn wir vergessen, was mit Kryvorizh-

Stahl passiert ist, dann werden wir nie Ordnung im Land schaffen", sagte er der Financial Times. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 59 Prozent der ukrainischen Bürger die Gesetzlichkeit des Deals geprüft wissen. Im TV-Duell hatte Juschtschenko angemerkt, dass ein Drittel des Werks in den Händen Janukowitschs ist. Dieser hat eine Aufzahlung auf den wahren Marktwert für möglich gehalten, sofern bewiesen werden sollte, dass es unter Wert verkauft worden ist.

Eine Einigung auf eine Nachzahlung in irgendeiner Form halten Beobachter für möglich. Juschtschenko jedenfalls dürfte auf einen Kompromiss eingehen. Zwei Tage vor der Wahl kamen generelle Kooperationssignale an Juschtschenko auch von Achmetow, ohne den eine Machtumbildung in Donezk nicht vor sich gehen kann. Als Vermittler in dem Deal gilt Pintschuk. (sed/DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2004)

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