Weibliche Migranten lernen öfter Deutsch als ihre Männer

27. Dezember 2004, 18:43
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Wiener Volkshochschulen verzeichnen siebzig Prozent Frauen bei den Deutschkursen

Wien - ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer habe sich deutlich geirrt, als er Bezug nehmend auf die Ergebnisse der PISA-Studie, eine Überprüfung der Fremdengesetze und der Integrationsvereinbarung gefordert habe, heißt es in einer Aussendung des Verbandes der Wiener Volksbildung am Montag. Molterer hatte behauptet, dass Frauen, die nicht berufstätig sind, Sprachkurse nicht intensiv genug nützen würden, was dazu führe, dass die Mütter ihre Kinder beim Lernen nicht unterstützen könnten.

VHS-Kurse für Hausfrauen

"Die Wiener Volkshochschulen müssen dem deutlich widersprechen," sagte dazu Dr. Michael Ludwig, der Vorsitzende des Verbandes Wiener Volksbildung. "Unsere Zahlen belegen eindeutig, dass Frauen die angebotenen Deutschkurse in weit höherem Maß in Anspruch nehmen als Männer. Jährlich besuchen rund 9.000 MigrantInnen die Deutschkurse der Wiener Volkshochschulen. Rund 70 Prozent der Teilnehmenden sind weiblich. Die Wiener Volkshochschulen bieten dabei auch eine Reihe von Kursen an, die tagsüber, teilweise auch mit Kinderbetreuung, durchgeführt werden. Die hohe Beteiligung von Frauen auch an diesen Kursen belegt, dass auch nicht berufstätige Mütter Deutsch lernen."

Besonderen Wert legte Ludwig auf den Umstand, dass der Großteil der Deutschlernenden nicht zwangsläufig, also auf Grund der Integrationsvereinbarung Deutsch lernt, sondern dies aus freien Stücken tut.

"Bedenklich populistisch"

"Die Diskussion der tristen Ergebnisse der PISA Studie jetzt auf dem Rücken der MigrantInnen auszutragen, ist nicht nur bedenklich populistisch, sondern stellt auch eine verkürzte Betrachtung der Problematik dar", so Ludwig weiter. "Die Mutter als klassische Hausfrau, die ihre Kinder beim Lernen betreut, stellt nämlich ein längst überholtes Frauenbild dar und entspricht im Übrigen auch nicht der gesellschaftlichen Realität. Häufig arbeiten heute beide Elternteile. Die Problematik liegt in erster Linie also nicht darin, dass Kinder von Müttern, die zu Hause sind, nicht genügend Unterstützung beim Lernen erhalten, sondern viel mehr darin, dass es kaum adäquate Einrichtungen gibt, die unseren gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen und für eine optimale Betreuung und Begleitung der Kinder sorgen." (red)

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