Wieder einmal händisch zählen: Rennen um das Gouverneursamt in Washington

30. Dezember 2004, 10:24
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Fast drei Millionen abgegebene Wählerstimmen wurden bereits drei mal ausgezählt

"Bis die sich ausgerechnet haben, wer nun Gouverneur ist, wird es bereits Zeit für die nächste Wahl", fasst der 19- jährige Daniel Warren, Republikaner, die Gouverneurswahlen im amerikanischen Bundesstaat Washington zusammen: Kurz vor Weihnachten – sieben Wochen nach den Wahlen am 2. November – schien es eindeutig so, als hätte die Demokratin Christine Gregoire mit 130 Stimmen über ihren republikanischen Widersacher Dino Rossi gesiegt.

Und das nach der dritten Zählung der nahezu drei Millionen abgegebenen Wählerstimmen.

Die ersten beiden Auszählungen hatte der 45-jährige ehemalige Staatssenator Rossi mit knapper Mehrheit (beim zweiten Durchgang waren es sogar nur 45 Stimmen) gewonnen. Die dritte händische Zählung war vom Obersten Gerichtshof des Staates genehmigt worden.

Über die Weihnachtsfeiertage feierte die 57-jährige Gregoire, ehemals Staatsanwältin im Staat Washington, ihren Triumph und bereitete sich schon auf ihren Amtsan 3. Spalte tritt am 12. Jänner vor. Ihr Gegner hat seine Niederlage allerdings noch nicht öffentlich zugestanden.

"Ich überlasse es ihm zu beurteilen, wann er das für angebracht hält", erklärte Gregoire großzügig. Die Republikaner im Staat Washington sind jedoch keineswegs gewillt, aufzugeben und versuchen nun, verschiedene Wahlbezirke dazu zu bewegen, eine Reihe von Stimmen, von denen angenommen wird, dass sie fälschlicherweise als ungültig erklärt wurden, noch einmal zu zählen und zum Gesamtergebnis hinzuzufügen.

Zünglein an der Waage

Diese Maßnahme könnte bei den knappsten Wahlen in der Geschichte des Staates Washington das Zünglein an der Waage wieder zugunsten des Republikaners Rossi ausschlagen lassen. Freunde des Republikaners bedrängen Rossi andererseits, er solle dieses Mal den Kampf um den Gouverneurssitz trotz der nicht eindeutig geklärten Lage aufgeben und sich stattdessen lieber auf einen Wahlkampf gegen die demokratische Senatorin Maria Cantwell im Jahr 2006 oder auf neuerliche Gouverneurswahlen im Jahr 2008 vorbereiten.

Laut Verfassung des Staates Washington kann das Ergebnis bis zum 20. Jänner 2005 von jedem Wähler in Frage gestellt werden. In Washington dominieren die Demokraten in beiden Häusern der Staatslegislatur – sollte der Fall doch noch vor dem staatlichen Senat landen, würde Christine Gregoire mit einiger Sicherheit bestätigt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2004)

Von Susi Schneider aus New York
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