Chile bereitet Pinochets Beerdigung vor

29. Dezember 2004, 18:23
1 Posting

Ex-Diktator erlitt Schlaganfall - Präsident Lagos will im Fall des Ablebens Pinochets weder Staatstrauer noch Staatsbegräbnis

Santiago de Chile - Chile bereitet einem Zeitungsbericht zufolge bereits die Beerdigung des Ex-Diktators Augusto Pinochet vor. Regierung und Generalstab kümmerten sich um den protokollarischen Rahmen, sollte der 89-Jährige bald sterben, berichtete die Tageszeitung "La Tercera" am Sonntag. Pinochet war am vergangenen Wochenende mit einem Schlaganfall in ein Militärkrankenhaus eingeliefert und nach fünf Tagen wieder entlassen worden. Nach dem Hirnschlag hatte er vorübergehend das Bewusstsein verloren. Der Vorfall habe Chile in Alarmbereitschaft versetzt, schrieb "La Tercera".

"Möglicher tödlicher Ausgang"

Generalstabschef Juan Emilio Cheyre berate mit Verteidigungsminister Jaime Ravinet über einen "möglichen tödlichen Ausgang". Präsident Ricardo Lagos werde "weder ein Staatsbegräbnis noch Staatstrauer" anordnen. Pinochet solle jedoch mit militärischen Ehren verabschiedet und eingeäschert werden. Sein Sarg solle mit der chilenischen Flagge bedeckt und in der Hauptstadt Santiago de Chile bestattet werden. Für seine Informationen nannte das Blatt keine Quellen.

Entscheidung über Anklage erst im Neuen Jahr

Der Oberste Gerichtshof Chiles will erst im Neuen Jahr entscheiden, ob die Anklage Pinochet aufrecht erhalten bleibt. Eine Begründung für die neuerliche Verzögerung wurde am Montag nicht genannt, doch war allgemein bekannt, dass sich mehrere Richter im Urlaub befanden. Die Anwälte des 89-Jährigen hatten bei der höchsten Rechtsinstanz Einspruch gegen den Spruch eines Berufungsgerichts eingelegt, wonach sowohl die Anklage als auch der Hausarrest Bestand haben.

Pinochet war am 13. Dezember wegen seiner Rolle bei der "Operation Condor" zur Tötung lateinamerikanischer Oppositioneller in den 70er und 80er Jahren angeklagt worden. Bisher konnte er jeden Prozess unter Verweis auf seinen Gesundheitszustand verhindern. Bei der "Operation Condor", die im Auftrag der Machthaber in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay ausgeführt wurde, töteten Agenten mutmaßlich mehr als 200 Oppositionelle. Pinochet regierte Chile nach einem Militärputsch von 1973 bis 1990. Während seiner Diktatur wurden rund 3000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. (APA)

Share if you care.