Kind & Job brauchen adäquate Rahmen

27. Dezember 2004, 09:43
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Die "kindercompany" geht neue Wege in der Nachwuchsbetreuung

In Zeiten, da beide Elternteile arbeiten wollen oder müssen, Großeltern noch im Berufsleben stehen und die Zahl der Alleinerziehenden und Patchworkfamilien steigt, bieten klassische Kindergärten oft zu wenig: zu starr die Öffnungszeiten, zu wenig kreativ das Angebot. Die meisten Kinderbetreuungsstätten in Österreich schließen zwischen 16.00 und 17.00 Uhr - wer länger arbeitet, muss sich eine individuelle Lösung suchen. Dasselbe gilt für Ferien und Feiertage.

"Mit meinem Job als Personalberaterin war die Rolle der allein erziehenden Mutter jedenfalls nicht zu vereinbaren", stellte Virginia Franz fest, als 1994 ihre Tochter Helene zur Welt kam. Also gründete sie einen "Verein zur Unterstützung berufstätiger Eltern": die "kindercompany", die in Wien mittlerweile 20 Kindergärten und Horte mit insgesamt 1500 Kindern sowie das Zwergerlland im Donauzentrum betreut.

"Das Konzept beruht auf Rahmenbedingungen, die meinem Kind und mir selbst wichtig waren", erklärt die geschäftsführende Obfrau Franz. "Unser oberstes Anliegen ist natürlich, den Kindern eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Dies bedarf aber auch unbeschwerter Eltern, die ihre Kinder gut betreut wissen, ohne nervös auf die Uhr schauen zu müssen."

Vereinbarte Wochenstundenanzahl

Daher gibt es in der kindercompany keine fixen Zeiten, wann Kinder gebracht oder abgeholt werden müssen; die Kindergärten sind von 7.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, ab fünf Kindern sogar von 6.00 bis 19.00 Uhr. Geschlossen ist nur an Wochenenden, gesetzlichen Feiertagen und am Heiligen Abend. Für jedes Kind wird eine Wochenstundenanzahl (zehn bis 45) vereinbart, sollte diese überschritten werden, wird einfach stundenweise nach verrechnet.

Und der Preis der Flexibilität? "Unsere Plätze sind nur rund 15 Prozent teurer als die der Gemeinde-Kindergärten, dafür ist aber alles inklusive: Jause, Hygiene- und Bastelmaterial, täglich spielerisches Englisch ab dem zweiten Lebensjahr, Versicherung und vieles mehr", erläutert Franz. Und zählt einige weitere Besonderheiten auf, auf die man in der kindercompany stolz ist: "Pro Gruppe gibt's bei uns je eine Pädagogin und eine Helferin, und die jeweiligen Leiterinnen sind kinderdienstfrei gestellt, damit sie sich um die administrativen Belange kümmern können."

Zusatzangebote

Dank dieser Personalpolitik könne man mehr als eine "Kinderaufbewahrungsstätte" sein: "Wir fördern die Kinder zusätzlich zu unserem Standardprogramm, das auch so ungewöhnliche Angebote wie Shiatsu und Theaterwerkstatt umfasst, mit standortspezifischen Schwerpunkten. Zum Beispiel Kunst & Kultur im 6. Bezirk: Dort gehen wir mit den Kindern in Ausstellungen, in die Oper und ins Theater." An zwei anderen Standorten wird gezielt die Begegnung zwischen Alt und Jung gesucht: Dort sind die Räumlichkeiten des Kindergartens in Seniorenheimen untergebracht.

Aufgeschlossenheit will die kindercompany auch mit ihrem Sprachangebot fördern: So gibt es schon drei bilinguale Standorte mit Native Speakers als zusätzlichen Betreuungspersonen. "Bisher bieten wir nur Englisch an, doch ich träume von Ostsprachen und sogar Chinesisch", verrät Franz. "Mal sehen, was die Eltern sich wünschen. Wir sind ja flexibel ..." (DER STANDARD, Print, 24./25./26.12.2004)

Marie-Therese Gudenus

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