Outsourcing

8. Februar 2005, 16:08
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WTO ist die Speerspitze eines weltweiten liberalisierten Handels - Kommentar von Johanna Ruzicka

Die Welthandelsorganisation WTO ist die Speerspitze eines weltweiten liberalisierten Handels. Anscheinend furchtlos kippt sie Abschottungsmechanismen großer Wirtschaftsblöcke. So muss die USA ihr Baumwollregime überdenken, Europa die Zuckermarktordnung, reiche Importblöcke ihren Textilhandel.

Das ist eine hochinteressante Entwicklung. Verblendet von einer zahnlosen, tröpfelnden Entwicklungshilfe, die da heißt (Geld-)Transfer von Nord nach Süd, wurde vergessen, dass das Wichtigste ist, den armen Ländern des Südens Exportmärkte für ihre Produkte zu geben. Bäuerliche Erzeugnisse wie Getreide oder Zucker gehören aber zu den international am meisten reglementierten Handelswaren - weit mehr als entwickelte Produkte wie Computer, Software oder Finanzdienstleistungen.

Dabei nimmt die WTO keine Rücksicht auf durchaus berechtigte Interessen der Agrarminister westlicher Länder. Nahrungsmittelproduktion ist eine sensible Sache, die Länder nicht gerne "outsourcen". Auch das Argument, von einem Freihandel würden nur große, aufstrebende Länder wie China (beim Textil) oder Brasilien (bei Zucker) profitieren, ist stichhaltig. Diese produzieren unter teils katastrophalen ökologischen und sozialen Standards und drängen die ärmsten Länder an den Rand.

Und dennoch sind die Argumente der reichen Länder blauäugig. Sie wurden von der WTO bis dato auch noch nicht wirklich in Erwägung gezogen. Erstens, weil ihr Auftrag "Non Trade Concerns" nicht beinhaltet. Und zweitens, weil die WTO weiß, dass die Dinge angestoßen werden müssen. Heißt am Beispiel China: Nimmt das Land den prophezeiten wirtschaftlichen Aufschwung, wird es innerhalb von zwanzig Jahren Teile seiner Textilherstellung an ärmere Nachbarländer weiterreichen. (Der Standard, Printausgabe, 27.12.2004)

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