Blair droht Untersuchung wegen Frankreich-Urlaubs

30. Dezember 2004, 21:36
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Fünftägiger Aufenthalt auf Schloss eines Industriellen beschäftigt Parlamentsbeauftragten für ethische Standards

London - Dem britischen Regierungschef Tony Blair droht möglicherweise eine Untersuchung über einen Privaturlaub bei einem Industriellen auf dessen Schloss in Frankreich. Downing Street bestätigte am Sonntag, der Parlamentsbeauftragte für ethische Standards, Sir Philip Mawer, habe dem Regierungschef wegen des fünftägigen Aufenthalts der Familie Blair im August 2002 einen Brief geschrieben. Darin wird Blair gefragt, warum er die Tage im Schloss von Alain Dominique Perrin im Südwesten Frankreichs dem Unterhaus nicht gemeldet habe.

Offenlegung

Nach den Regeln des Parlaments in London müssen die Abgeordneten Zuwendungen jeder Art von Dritten, die sie in ihren politischen Handlungen beeinflussen könnten, in einem speziellen Register offen legen. Der konservative Abgeordnete Chris Grayling hatte sich nach Berichten britischer Sonntagszeitungen bei Mawer darüber beschwert, dass Blair keine Erklärung über den Urlaub abgab. Perrin war nach den Angaben damals Vorsitzender des Unternehmens Richemont, das Luxusgüter produziert und nach Berichten 21 Prozent der Anteile an dem Tabakkonzern British American Tobacco hält.

Eine Downing Street-Sprecherin sagte: "Alles, was gemeldet werden muss, wird auch gemeldet." Blair werde "zu gegebener Zeit" auf den Brief antworten. Die Sprecherin betonte, dass der Premierminister ein alter Freund Perrins und der Aufenthalt bei ihm nur Teil eines Familienurlaubs in Frankreich gewesen sei. Sie deutete außerdem an, dass es keinen Interessenkonflikt gebe, denn seit jener Zeit habe die Regierung Pläne für ein umfassendes Rauchverbot in der Öffentlichkeit vorgelegt. (APA/dpa)

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