Kommunalwahl im Westjordanland: Starke Unterstützung für Hamas

26. Dezember 2004, 16:33
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Fatah dürfte aber trotzdem stärkste Fraktion werden - Amtliches Ergebnis erst am Sonntag

Ramallah - Die radikalislamische Hamas-Bewegung hat bei der Kommunalwahl im Westjordanland offenbar gut abgeschnitten. Nach am Freitag bekannt gewordenen vorläufigen Ergebnissen erzielte sie in 14 der 26 Gemeinden, in denen gewählt wurde, die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Wahlsieger wurde wie erwartet die Fatah, die künftig 14 Städte kontrollieren dürfte. In zwei Kommunen werden Fatah und Hamas eine Koalition bilden, in der Ortschaft Jabed stand das Ergebnis am Freitagmittag noch aus.

Das amtliche Endergebnis der Kommunalwahl im Westjordanland vom Donnerstag soll erst am Sonntag bekannt gegeben werden. Die ursprünglich für Samstag vorgesehene Veröffentlichung werde verschoben, weil die Kandidaten in zwei Gemeinden eine Überprüfung der Ergebnisse verlangt hätten, teilten die palästinensischen Behörden mit.

Test für Präsidentenwahl

Die Kommunalwahl galt als Test für die Präsidentenwahl am 9. Jänner, für die der Fatah-Kandidat Mahmud Abbas, neuer Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), als aussichtsreichster Kandidat gehandelt wird. Die Hamas boykottiert diese Abstimmung, hat es den Palästinenser allerdings freigestellt, sich daran zu beteiligen.

Die Hamas hat in den besetzten Gebieten ein Netz von Wohlfahrtseinrichtungen aufgebaut, zu dem Schulen und Krankenstationen gehören. Ranghohe Mitglieder der Organisation erklärten, sie hätten bei der Wahl am Donnerstag vermutlich sogar in 17 Städten gewonnen. Die 26 Gemeinden, in denen abgestimmt wurde, galten laut einem früheren Leiter der Wahlkommission allerdings als Hochburgen der Fatah. Die 150.000 Stimmberechtigten konnten zwischen mehr als 800 Kandidaten entscheiden. 16 Prozent der insgesamt 360 zu vergebenen Sitze waren Frauen vorbehalten.

Ein Hamas-Sprecher im Gazastreifen, Sami Abu Suhri, wertete die vorläufigen Ergebnisse der Kommunalwahl als Zeichen der Unterstützung, die seine Bewegung unter den Palästinensern genieße. Er stellte für die Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit der Fatah in Aussicht. Im Gazastreifen fanden am Donnerstag wegen der prekären Sicherheitslage allerdings keine Wahlen statt. (APA/AP)

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