Vorwürfe gegen Marokko nach Bootsdrama mit 13 Toten bei Kanaren

27. Dezember 2004, 11:15
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Behörden der Kanaren: Rabat toleriert Tätigkeit von Schlepperbanden

Las Palmas de Gran Canaria - Nach dem Tod von 13 Afrikanern in einem Boot vor den Kanarischen Inseln haben die Behörden der spanischen Inselgruppe schwere Vorwürfe gegen Marokko erhoben. Die marokkanische Regierung sei für den Tod der illegalen Immigranten mitverantwortlich, erklärte der Chef der Inselverwaltung von Fuerteventura, Mario Cabrera, am Freitag.

Rabat toleriere es, dass Schlepperbanden von marokkanischem Gebiet aus Afrikaner auf die gefährliche Überfahrt zu den Kanaren schickten. Cabrera sprach sogar von einem "Völkermord".

Am Vortag waren bei einem neuen Bootsdrama 13 Afrikaner vor Fuerteventura ums Leben gekommen. Sie waren nach Angaben der spanischen Behörden an Unterkühlung gestorben. Die Küstenwache hatte ein im Meer treibendes Boot mit den 13 Leichen an Bord entdeckt. In dem Schiff befanden sich außerdem 30 Afrikaner, von denen vier unter starker Unterkühlung litten. Ein Polizeischiff schleppte das Boot in einen Hafen der Insel.

Ein weiteres Boot mit 37 afrikanischen Immigranten an Bord wird seit Montag in den Gewässern der Kanaren vermisst. Einer der Insassen hatte über Handy einen Hilferuf abgesetzt, aber danach war die Verbindung zusammengebrochen. Fast täglich versuchen Gruppen von Afrikanern, von der westafrikanischen Küste aus illegal mit kleinen Booten auf die kanarischen Inseln Fuerteventura und Lanzarote zu gelangen. In diesem Jahr bezahlten 128 Immigranten die gefährliche Überfahrt mit dem Leben.

Marokko weist Vorwürfe zurück

Marokko hat den von der Regionalregierung der kanarischen Insel Fuerteventura geäußerten Vorwurf des "Völkermords" an Bootsflüchtlingen zurückgewiesen. "Diese provokatorischen Erklärungen zeugen von einer polemischen und unproduktiven Haltung", zitierte die Nachrichtenagentur MAP am Freitag aus einer Erklärung der marokkanischen Grenzbehörden.

Damit solle die marokkanische Regierung "systematisch für die illegale Einwanderung verantwortlich gemacht werden", hieß es weiter. Das marokkanische Innenministerium bedaure zwar das Flüchtlingsdrama, weise aber die "unverantwortlichen Äußerungen" zurück. (APA/dpa)

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